Berlin l Nach dem Sieg gegen Korea huschte Steffen Fäth noch an den Journalisten und Kameras vorbei. Als würde der Rückraum-Spieler bei der Handball-WM nur eine Nebenrolle spielen. Am Sonnabend aber blieb er stehen. Er nippte an seinem Vitamingetränk mit Erdbeer-Geschmack und genoss die Fragen zu seiner glänzenden WM-Form. „Ich spüre das Vertrauen von allen. Und jeder weiß, dass ich jemand bin, der so etwas braucht“, erklärte der 28-Jährige.

Dass er bei der Analyse des 34:21-Sieges gegen Brasilien sogar einige Male lächelte, ist in etwa so, als kündigte sich die Tagesschau mit Karnevalsmusik an. Fäth ist kein Temperamentsbündel und eher für ein trauriges Gesicht als für eine breite Brust bekannt.

Vier krachende Tore in Folge

Dass er überhaupt bei der WM dabei ist, war nach einer durchwachsenen Saison bei den Rhein-Neckar Löwen nicht unbedingt zu erwarten. Ohne den Kreuzbandriss von Julius Kühn hätte sich der Bundestrainer wohl nicht für Fäth entschieden. Aber der dankt es ihm jetzt mit entscheidenden Toren. Siehe Brasilien-Spiel: Zwischen der 18. und 23. Minuten nahm sich Fäth vier Mal den Ball und krachte ihn mit solcher Wucht ins Netz, dass sogar die Zuschauer hinterm Tor zusammenzuckten. So war das DHB-Team vorentscheidend von 9:3 auf 13:5 enteilt.

Nationaltorwart Andreas Wolff kennt die Würfe des 1,94 Meter großen „Shooters“ auch aus vielen Duellen gegeneinander. Wolff: „Steffen hat einen unwiderstehlichen Wurf. Da muss man als Torwart aufpassen, dass man den Kopf aus der Flugbahn bekommt.“

Zuspruch der Teamkollegen tut gut

Dass Fäth mentale Streicheleinheiten braucht, um seine Topform abzurufen, wissen auch die Teamkollegen. Wenn er nach seinen Toren zur Auswechselbank sprintet, sitzt dort keiner mehr, alle stehen, freuen sich mit dem Torschützen. Da wird abgeklatscht, Fäths Schultern müssen die heftigsten Klopfer verkraften. Und er selbst schrie vor allem nach seinem ersten Tor seine Freude heraus, wie man es bei ihm höchst selten sieht. Aus einem Häufchen Elend wird im linken Rückraum plötzlich ein Jubel-Vulkan. Fäth stolz: „Das tut gut, wenn man da so empfangen wird und die Halle jedes Tor frenetisch bejubelt. Das macht auch Lust auf mehr.“

Mit dieser Lust hat der gebürtige Hesse vor drei Jahren das deutsche Team mit zum EM-Titel geführt. Mit 30 Toren war er zweitbester Werfer und mit 29 Assists bester Passgeber im DHB-Trikot. Der damalige Trainer Dagur Sigurdsson hatte ihm das nötige Vertrauen gegeben, Fäth lieferte die im Handball nötigen Ballermann-Tore, wenn sonst im Angriff nicht mehr viel ging.

Warum es danach bei den Füchsen in Berlin nur bedingt lief und Fäth seit letzten Sommer bei den Rhein-Neckar Löwen meist auf der Bank hockt, dort zuletzt am Dänen Mads Mensah Larsen kaum vorbeikam, ist vielen ein Rätsel.

Prokop begeistert von Fäth

Bei den Löwen warf der einstige Junioren-Weltmeister in der aktuellen Bundesliga-Saison gerade mal 32 Tore in 18 Spielen, was einen Schnitt von 1,78 Treffern pro Spiel bedeutet. Bei der WM hat Fäth pro Spiel vier Tore erzielt und dabei eine Wurfquote von fast 70 Prozent. Bundestrainer Christian Prokop ist begeistert: „Er hat Fähigkeiten, die kaum ein anderer Handballer auf der Welt hat. Und seine vier Tore in Folge gegen Brasilien waren mitentscheidend für unserer Sieg. Denn dadurch haben wir uns richtig abgesetzt.“

Dass es vier Tore am Stück waren, musste sich Fäth im Kabinengang übrigens erst erzählen lassen. „Wirklich vier?“, fragte er. „Habe ich gar nicht so mitbekommen. Egal, jetzt hat für uns ja die WM erst so richtig begonnen.“ Fäth hat sich einst in Wetzlar viel vom damailigen Kroaten-Star Ivano Balic abgeschaut. Der führte sein Team einst zu WM-Titel und Olympia-Gold.