Magdeburg l SCM-Trainer Bennet Wiegert macht keinen Hehl daraus, dass er in der Gruppenphase der European Handball League zu Beginn gerne einen anderen Gegner gehabt hätte. Und eben nicht Besiktas Aygaz aus der Türkei. „Ich wäre gerne etwas später auf sie getroffen, da ich so überhaupt kein aktuelles Videomaterial zur Verfügung gehabt habe“, erklärt der Trainer. Beim französischen Gegner Montpellier oder den Schweden von Alingsas hätte das anders ausgesehen – so aber bleibt Besiktas bis Dienstag Abend (18.45 Uhr, ehftv) mehr oder weniger eine große Unbekannte.

So viele Unwägbarkeiten während einer Spielvorbereitung – Wiegert kann sich nicht daran erinnern, wann das zuletzt der Fall war. Beziehungsweise ob überhaupt. „Das ist eben der neue Europapokal“, nimmt er es mit einer Portion Humor. Gezwungenermaßen. Denn neben der reinen Spiel-Vorbereitung, die seine Mannschaft betrifft, stellt der organisatorische Ablauf seine Trainer-Tätigkeiten ebenfalls vor Hürden. Zum Beispiel gibt es keine Hallenzeit für den SCM vor der Partie in der Türkei. Aufgrund der Corona-Pandemie und dem Aufenthalt in einem Risikogebiet schottet sich die Mannschaft komplett im Hotel ab. Und sowohl der EHF-Offizielle Ayberk Dilmen (Türkei) als auch die Schiedsrichter Emil und Ernest Aghakishi (Aserbaidschan) bringen einen gewissen „Heimvorteil“ für die Gastgeber ins Spiel.

Wiegert: Keine Benachteiligung

Allerdings stellt der Trainer mit Blick auf die Vorbereitung klar: „Dass wir dadurch in irgendeiner Art und Weise benachteiligt wären, ist Quatsch.“ Viel mehr findet er es sogar mal ganz angenehm, dass er sich komplett auf seine Mannschaft konzentrieren konnte. „Ich bin Fan davon, über die eigenen Stärken und Schwächen zu sprechen. Das kann auch mal ganz gut sein“, sagt er. Der Matchplan ist somit klar: „Wir machen unser Ding, schauen auf uns“, betont Wiegert.

Besiktas "Stammgast" in der Champions League

Der 38-Jährige hatte zwar 2013 noch selbst im EHF-Cup gegen Besiktas gespielt – beide Partien gewann der SCM damals deutlich –, allerdings lassen sich daraus natürlich keine Schlüsse mehr für das heutige Duell ziehen.

Das türkische Team, seit 2004 von Müfit Arin trainiert, hat sich seither weiterentwickelt, war in fünf Spielzeiten zwischen 2014 und 2019 in der Champions League dabei. Allerdings mit nur mäßigem Erfolg, über die Gruppenphase kam Besiktas nie hinaus.

Nur noch zwei internationale Profis

Seit der vergangenen Saison ist jetzt aber ein Umdenken in Istanbul erkennbar. Setzte man sonst vorrangig auf ausländische Spieler, die den Auftritt der eigenen, unerfahrenen Talente ergänzen sollten, stehen jetzt gerade einmal noch zwei internationale Profis im Aufgebot. Die Arbeit mit jungen Spielern aus der Türkei wird somit vorangetrieben.

„Die Struktur aus jungen Spielern, die von erfahrenen Kollegen unterstützt werden, soll uns eine erfolgsversprechende Harmonie bringen“, berichtet Team-Manager Mesut Cebi. Aus der türkischen Liga ist Besiktas übrigens schon lange nicht mehr wegzudenken: Allein zwischen 2009 und 2019 holten sie jedes Jahr die Meisterschaft, bisher insgesamt 15-mal.

Für SCM-Coach Wiegert verbietet es sich daher auch, von einem „Handball-Exoten“ zu sprechen – allein schon aufgrund der Erfahrung aus der Königsklasse. „Ich denke, dass sie sehr europäisch geprägt sind. Und dass man mal nur im Vorbeifahren irgendwo Punkte mitnimmt, das gibt es in der Gruppenphase sowieso nicht mehr.“

Ob Wettbewerb beendet wird, ist ungewiss

Eine Einteilung in leichte und schwere Gruppengegner gibt es bei Wiegert somit auch nicht. Einzig in einem Punkt legt sich der Trainer fest: „Montpellier ist die stärkste Mannschaft in unserer Gruppe, sie haben Champions-League-Niveau. Und sie sind noch stärker einzuschätzen als unser Gruppengegner Nantes im vergangenen Jahr.“

Da wurde aufgrund der Corona-Pandemie der Wettbewerb ja vorzeitig abgebrochen – ob er jetzt beendet wird, ist noch längst nicht absehbar. Die Partie der Rhein-Neckar Löwen bei Tatabanya in Ungarn ist bereits abgesagt worden. Und auch die für Mittwoch angesetzte Paarung der SCM-Gegner Montpellier gegen Moskau wurde verschoben. Grund sind jeweils positive Corona-Tests bei den Gastgebern. Nicht nur Terminschwierigkeiten scheinen somit vorprogrammiert ...