Magdeburg l Die 60 Minuten waren Lukas Mertens anzusehen. Beim 39:27 gegen Nordhorn-Lingen hatte er durchgespielt. Aber so erschöpft wie der Linksaußen des SC Magdeburg war, so glücklich war er auch. „Dass ich von Beginn an spielen durfte, bedeutet mir sehr viel. Darauf musste ich eineinhalb Jahre warten. Ich bin heute ein glücklicher Mensch“, erzählte der 23-Jährige aufgelöst nach dem dritten Schützenfest des SC Magdeburg im dritten Spiel der Bundesliga-Saison. Mit acht Toren war Mertens dabei bester Werfer seines Teams.

Für ihn aber nur ein schöner Aspekt am Rande. Endlich wieder fester Bestandteil des Teams zu sein, ist nach seiner langen Verletzungspause viel fundamentaler. Im Mai 2018 hatte sich Mertens das Kreuzband gerissen, fiel dadurch bis Februar dieses Jahres aus. Über Kurzeinsätze meldete er sich dann in der Bundesliga zurück. Viele Fans monierten damals, dass Mertens zu wenig Spielzeit bekommt. Aber Trainer Bennet Wiegert wollte kein Risiko eingehen. Mertens: „Das war so abgesprochen. Wir wollten nicht riskieren, dass wieder so etwas passiert.“

Rechtes Knie ist stabil

Inzwischen ist das rechte Knie aber so stabil wie die Leistungen von Mertens auf der Platte. Beim Saisonauftakt gegen Balingen machte er seinem Spitznamen „Speedy“ alle Ehre und war mit 30,5 km/h der beste Sprinter aller Teams am ersten Spieltag. Gegen Nordhorn schaffte er es mit 4,93 Kilometern als Dritter in die Top fünf der Spieler mit der größten Laufdistanz. „Beim Sprinten geht aber noch mehr“, sagt Mertens mit einem energiegeladenen Lächeln.

Schon einen Tag vor dem Spiel bekam er die Information, dass er gegen Nordhorn beginnen darf. „Bei den Testspielen in der Vorbereitung war das ja schon einige Male der Fall. Aber es ist natürlich etwas völlig anderes, wenn man vor vollen Rängen in der Getec-Arena aufläuft. Das tut unheimlich gut.“ Und er machte es auch gut. Ganz stark vor allem der Kempa-Trick beim Tor zum zwischenzeitlichen 34:21. Da kam er nach einem Zuspiel von Filip Kuzmanovski von außen in den Kreis geflogen und verwandelte wunderschön.

SCM schont Kräfte für Kiel

Das Vollzeit-Comeback von Mertens ist auch ein gutes Beispiel dafür, dass die SCM-Handballer in dieser Saison noch breiter aufgestellt sind. Trainer Bennet Wiegert: „Matthias Musche hat in Lemgo 60  Minuten gespielt. Da war jetzt Speedy dran. Er hat es sehr ordentlich gemacht. Für mich ist dieser Wechsel auf der Position auch ganz normales Kadermanagement.“

Schließlich kommt schon morgen Abend der THW Kiel zum absoluten Top-Spiel in die Getec-Arena (18.10 Uhr, Sky und ARD). Wiegert: „Mit dem Spiel in Lemgo am letzten Sonntag bedeutet das für uns ja drei Spiele in sieben Tagen. Da ist es schon wichtig und schön, wenn man Kräfte sparen kann.“

Und das hat ja nicht nur Musche gemacht. Auch Zeljko Musa mit einer Spielzeit von lediglich 11:04 Minuten und Marko Bezjak (20:47 Minuten) konnten mit ihren Kräften haushalten, statt wie so oft in der letzten Saison fast komplett durchspielen zu müssen.

Beim Stichwort Kiel glänzen natürlich auch die Augen von Mertens. „Das ist immer ein ganz besonderes Duell. Da herrscht bei uns Vorfreude pur“, sagt er. Schließlich ist mit Kiel ja noch eine Rechnung offen. „Das verlorene Pokalfinale haben wir natürlich noch nicht vergessen“, erklärt Mertens und weiß auch, auf was es bei der Revanche am meisten ankommt: „Wir dürfen uns nicht viele Fehler in der Abwehr leisten, müssen kompakt stehen. Beim Tempo und Angriff sehe ich uns total auf Augenhöhe.“ Gegen Nordhorn haben die SCM-Handballer übrigens 28 ihrer 39  Tore über Tempogegenstöße erzielt. Mertens: „Und durch die zwei Siege gegen Kiel in der vergangenen Saison haben wir auch genug Selbstbewusstsein.“