Magdeburg l Robert Weber kehrt zurück. Die langjährige Nummer eins des SC Magdeburg auf der Position des Rechtsaußen kommt mit Nordhorn-Lingen in die Getec-Arena. Und trifft gleich auf zwei Nachfolger. Denn bei den Grün-Roten teilen sich diese Position inzwischen Daniel Pettersson und Tim Hornke. Beide spielten in den ersten zwei Punktspielen jeweils eine Halbzeit – und trieben sich dabei zu Höchstleistungen.

„Es ist schon ein Unterschied, ob man seine ganze Kraft in eine halbe Stunde packen kann oder komplett durchspielen und mit den Kräften dann auch ein bisschen haushalten muss“, erklärt Pettersson. Im ersten Heimspiel der Saison gegen Balingen hatte er begonnen. Nach der Pause kam dann Hornke und war mit sieben Toren sogar noch bester Werfer. In Lemgo war es genau umgekehrt. Hornke fing bei seinem Ex-Club an und warf sein 1000. Bundesligator. Nach dem Seitenwechsel kam Pettersson und trug mit sechs Toren maßgeblich zur Wende im Spiel bei. Trainer Bennet Wiegert weiß diese Luxuskonstellation zu schätzen. „Wir sind alle sehr froh, dass wir so effektiv wechseln können“, sagt er.

Großes Lob vom Trainer

Was Tim Hornke kann, hat er in den letzten Jahren im Trikot des TBV Lemgo oft bewiesen, er war in der vergangenen Saison Zweiter in der Torschützenliste hinter Matthias Musche. Aber dass Pettersson plötzlich so aufdreht, erstaunt viele. „Er hat einen ganz großen Schritt nach vorn gemacht“, lobt Wiegert.

Schon in der Vorbereitung fiel Pettersson auf, sprühte vor Spielfreude und Treffsicherheit. Mit seiner Nervenstärke hat er sich da sogar als Siebenmeterwerfer empfohlen. Auch in Lemgo behielt er bei drei von vier Würfen vom Punkt die Übersicht.

Das große Lob nimmt Pettersson gerne entgegen. „Ich fühle mich gut, und mir macht es momentan einfach richtig viel Spaß“, erzählt der Schwede. Ein großes Geheimnis steckt aber nicht hinter seinen Leistungen. „Ich habe nichts verändert, ganz normal trainiert wie immer. Den Urlaub habe ich in meinem Heimatort verbracht, mich mit Freunden getroffen und Golf gespielt. Da gibt es wirklich kein Geheimnis“, berichtet Pettersson, dessen Handicap bei 21 liegt. Ein ordentlicher Wert für einen Hobby-Spieler.

Aber vielleicht ist es ja sogar der Schatten von Robert Weber, der jetzt nicht mehr da ist. Als Pettersson 2016 nach Magdeburg kam, war Weber auf Rechtsaußen gesetzt und schon seit Jahren einer der Leistungsträger. Für den damals 24-jährigen Pettersson war dagegen alles neu. Land, Sprache, Liga – da muss auch ein Handball-Profi erst einmal durch und Erfahrungen sammeln.

Vierte Saison beim SCM

Inzwischen geht er aber in seine vierte Saison und bekommt aus der Ferne auch von Weber anerkennende Worte. „Was ich von Dani zuletzt gesehen habe, ist wirklich stark. Das freut mich total für ihn. Dass er Handball spielen kann, war immer klar. Aber jetzt ruft er das auch konstant ab“, lobt der Österreicher.

Die Außen des sind ja fester Bestandteil der SCM-Spielphilosophie. Statt permanent aus dem Rückraum die Bälle aufs Tor zu schmettern, werden die Tore lieber rausgespielt. So bekommen die Außen auch immer genug Bälle. Pettersson: „Unser System kommt mir als Außenspieler natürlich sehr entgegen. Denn man bekommt immer wieder die Möglichkeit, Tore zu werfen.“

Und beim Einfliegen in den Kreis entscheidet der Linkshänder meist spontan, wohin er den Ball wirft. „Natürlich hat man immer ein paar Varianten im Kopf“, sagt er. „Aber der Torwart schaut sich uns ja auch an und studiert die Wurfbilder. Deshalb muss man da flexibel sein. Aber ich liebe das. Dieses Duell zwischen Torwart und Werfer ist einmalig. Das macht Riesenspaß.“

Der ihm auch deutlich anzusehen ist. Und wenn Pettersson so weitermacht, dann könnte auch die schwedische Nationalmannschaft bald wieder ein ernsthaftes Thema sein. Pettersson: „Die EM im eigenen Land wäre natürlich ein Traum. Aber das geht nur über Leistungen im Verein.“