Magdeburg l Dieser Tage kommen die Erinnerungen wieder zurück. „Es war Wahnsinn. Wirklich Wahnsinn“, sagt Jannick Green. 2014 erlebte der Torhüter des SC Magdeburg die Handball-Europameisterschaft in seinem Heimatland Dänemark. „Diese Euphorie, die Stimmung – das ist etwas Besonderes“, erzählt er. Und das wird er nun, fünf Jahre später, wieder erleben können. Diesmal bei der Weltmeisterschaft, die Dänemark gemeinsam mit Deutschland ausrichtet.

Ist der Handball-Sport in den meisten europäischen Ländern eher im zweiten Glied anzusiedeln, so ist in dem kleinen skandinavischen Land alles anders. Dänemark gilt als eines der Pionierländer des Handballs. Und Dänemark lebt Handball. Das zeigt sich zum Beispiel im Fernsehprogramm. „Fast täglich wird ein Spiel aus der dänischen Liga gezeigt“, erzählt Green. „Dazu kommen Champions League und die Bundesliga. Und einer der Nationalsender, den jeder frei empfangen kann, zeigt alle Länderspiele. Da spielen wir dann vor 1,5 bis zwei Millionen Zuschauern.“ Was aus deutschem Blickwinkel zwar nicht spektakulär klingen mag, es aber bei nur 5,8 Millionen Einwohnern absolut ist. Heißt: Knapp jeder Dritte Däne schaut zu. „Im Januar werden fast alle über Handball sprechen, das ist einfach so“, prognostiziert der Torhüter.

Eine handballverrückte Familie

Die Handball-Begeisterung zeigt sich aber auch im Kleinen, zum Beispiel, wenn man die Familie von Green etwas genauer unter die Lupe nimmt. „Meine ganze Familie ist handballverrückt.“ Und wenn der 30-Jährige erst einmal mit seiner Aufzählung beginnt, dauert es eine Weile, bis er auch wirklich alle genannt hat: „Meine Eltern spielen Handball, meine beiden Geschwister, meine Cousinen, meine Tante. Ich selbst war immer in der Halle.“ Daher leuchtet es ein, dass er für die Heim-WM besonders viele Tickets besorgen muss. „Denn Herning liegt ja auch ganz in der Nähe vom Wohnort meiner Familie“, erklärt Green, der aus Lemvig stammt. Beide Orte liegen nicht einmal eine Autostunde voneinander entfernt.

Herning ist neben der Hauptstadt Kopenhagen der unbekanntere Spielort in Dänemark. „Herning liegt recht zentral in Jütland und ist eine eher kleinere Stadt“, berichtet Green, „wir haben 2014 bereits dort gespielt, die Halle hat einfach überragende Bedingungen für Handball. Da passen an die 13.000 Zuschauer rein.“ Eine kleine Stadt also, die aufgrund der Jyske Bank Boxen – so nennt sich die Mehrzweckhalle – „unglaublich viele Events hat“.

Und Kopenhagen? „Kopenhagen ist wunderschön“, sagt Green. „Die größte Stadt Dänemarks – gut, wir haben ja nur eine“, scherzt er, „leider spielen wir nur eine unserer Partien dort, aber da freue ich mich schon sehr drauf.“

Eine schwere Gruppe C

Gruppe C hält für die Dänen besonders eine Herausforderung bereit. „Norwegen ist unglaublich gut, sie sind über die vergangenen Jahre immer besser geworden“, berichtet Green. „Aber auch Österreich ist gefährlich und mit Tunesien haben wir eine afrikanische Mannschaft dabei, gegen die es etwas unangenehm zu spielen ist. Was jedoch klar ist: Gegen Saudi-Arabien und Chile müssen wir gewinnen.“

In den Hallen geht es dann allerdings doch etwas anders zu als in Deutschland. „Es ist einfach ‚hyggelig‘“, versucht Green die Stimmung in Dänemark zu beschreiben. Also gemütlich. „In Deutschland ist es emotionaler, in Dänemark sind die Fans unglaublich freundlich, es ist etwas ruhiger, aber lustig und alle haben gute Laune. Aber bei den großen Spielen wird es natürlich auch laut.“ Angst haben müsse somit keiner – „es gibt keine Hooligans“.

Für den Torhüter war übrigens sein Heimatclub, Lemvig, lange Zeit das Nonplusultra. „Als ich klein war, spielte Lemvig in der zweiten Liga. Ich dachte, das ist der größte Verein der Welt und habe immer die Spiele angeschaut“, erzählt Green. Und er fand unter seinen Landsleuten auch eine Person, die ihn inspiriert hat: Soren Haagen. „Er ist der erste Torhüter, der mir in Erinnerung geblieben ist. Er hat ja für Flensburg und Kiel gespielt, dann musste er mit 30  Jahren aus gesundheitlichen Gründen aufhören. Haagen hat zehn Jahre Pause gemacht und dann, als er 40 Jahre alt war, wieder angefangen.“ Und wie das so ist mit Idolen: „Wenn ich zu Hause mit meinem Bruder Handball gespielt habe, dann war ich immer Soren Haagen und musste im Tor stehen“, erzählt Green und grinst.

Kein Platz dazwischen

Dänemark und Handball – da passt kein Blatt Papier dazwischen. „Ich glaube zwar trotzdem, dass Fußball bei uns die Sportart Nummer eins ist“, sagt Green, „bei uns sagt man, dass Handball für die jungen und alten Menschen ist – und alle dazwischen gucken Fußball.“ Im Januar dürfte sich das ändern.