Magdeburg l Als Jungunternehmer muss Matthias Musche gut rechnen können. Einkauf, Verkauf, Steuern, Betriebskosten – und von seinen Bartprodukten soll ja auch noch Gewinn abfallen. Gewonnen hat er unter großem Jubel am vergangenen Sonnabend gegen den THW Kiel auch mit seinen SCM-Handballern. Aber so schön das auch war, so simpel sieht Musches Punkterechnung aus. „Wir freuen uns riesig über den Sieg gegen Kiel und sind hochzufrieden, dass wir 8:0 Punkte haben. Aber im Vergleich zur vergangenen Saison liegen wir nach vier Spieltagen eigentlich nur im Soll. Wir haben gegen die zwei Aufsteiger Balingen und Nordhorn gewonnen, so wie gegen die Absteiger im vergangenen Spieljahr auch. Lemgo und Kiel haben wir da auch geschlagen.“ Nach Musches Rechnung müsste deshalb morgen Abend auch ein Sieg in Melsungen her. „Aber dann können wir uns im Heimspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen im Vergleich zur Vorsaison verbessern“, verweist Musche auf die Niederlage im April.

Und warnt aber erst einmal vor dem nächsten Gegner. Musche: „Nach der Niederlage in Balingen wird es in Melsungen sicherlich sehr laut geworden sein. Ich habe mir auch das ganze Spiel im Fernsehen angeschaut. Das Ergebnis macht es für uns nicht einfacher. Denn Melsungen will jetzt Wiedergutmachung. Es ist auch müßig, darüber zu spekulieren, ob ein Sieg von Melsungen in Balingen besser für uns gewesen wäre. Dann hätten sie aber selbstbewusster ins Spiel gehen können. So spielen sie mit Wut im Bauch, sind aber vielleicht ein bisschen verunsichert. Wir nehmen es, wie es kommt.“

In der vergangenen Saison durfte sich Musche mit 256 Treffern die Torjägerkrone aufsetzen. Jetzt hat er zwölf Tore auf seinem Konto. Macht im Schnitt drei Treffer pro Spiel. Im Vorjahr waren es 7,5. Musche gelassen: „Es ist doch völlig egal, wie viele Tore ich werfe. Man kann auch ohne eigenes Tor eine wichtige Leistung für das Team bringen oder zum Schluss für den entscheidenden Treffer sorgen.“

So wie es Musche mit seinem verwandelten Siebenmeter gemacht hat. Obwohl er zuvor verworfen hatte, nahm er sich beim Stand von 30:29 den Ball und verwandelte. „Weil sonst keiner wollte, musste ja einer verwerfen“, erzählt Musche mit einem Schmunzeln im Gesicht. Dass aktuell kein Magdeburger auf den vorderen Plätzen der Torjägerliste zu finden ist, dürfte eher für den SCM sprechen. Top-Teams sind in der Regel selten ganz vorn vertreten, weil im Kader die Spielzeiten und somit auch Tore geteilt werden.

Den breiten Kader begrüßt Musche natürlich auch. „Jeder will immer gerne alle Spiel spielen. Ich denke, dass ich das körperlich auch durchhalten würde. Habe ich vergangene Saison ja auch geschafft. Aber wenn man wechseln kann, ist das immer wichtig. Der Gegner muss sich dadurch ja auch immer wieder umstellen“, so der Nationalspieler, der die aktuelle Euphorie aber nicht überbewerten will. Musche: „Wir haben einen starken Kader und eine gute Mischung im Team. Die Stimmung ist nach vier Siegen natürlich auch top. Wie cool wir wirklich sind, müssen wir aber auch in schlechten Phasen zeigen.“