Köln l Wie vor jeder Partie stand Andreas Wolff, Torhüter der deutschen Handball-Nationalmannschaft, schon lange vor Anpfiff im Zugang zum Spielfeld. Die Arme vor der Brust verschränkt, beobachtete er die Partie zwischen Frankreich und Kroatien. Und obwohl es auf den ersten Blick so aussah, als ob Wolff ganz allein unter der Tribüne sei, lugte ab und zu ein ebenfalls bekanntes Gesicht hinter einem großen, aufblasbaren „Molten“-Handball hervor. Nämlich das von Bundestrainer Christian Prokop.

Und der rieb sich ab und an verwundert die Augen. Ja, Kroatien führte in diesem Moment mit 14:15 gegen Frankreich und gewann schlussendlich sogar mit 23:20. Prokop konnte somit beruhigt den Gang in die Kabine antreten. Der Gruppensieg der Deutschen hätte nur bei einer hohen Niederlage gegen Spanien noch in Gefahr geraten können.

Sieg auch für die Fans

„Es war heute eine tolle Erfahrung für uns, nicht mit allen Mitteln gewinnen zu müssen. Aber die Jungs wollten sich mit einem guten Gefühl verabschieden und mit Rückenwind nach Hamburg reisen“, erklärte Prokop nach dem Spiel. Obwohl kräftig rotiert wurde, um die Kräfte für das Halbfinale zu sparen, ging das DHB-Team trotzdem voll auf Sieg. Patrick Wiencek: „Wir waren schließlich in der Bringschuld und wollten den tollen Fans noch mal eine Show bieten. Auch wenn paar mehr Fehler als sonst dabei waren.“  Am Ende hieß es gegen Spanien 31:30 (17:16). Und in Hamburg wartet morgen Abend im Halbfinale Norwegen.

Respekt vor Norwegen

Kai Häfner: „Die Norweger stehen für schnelle Angriffe und einfache Tore. Wer das am besten nutzt, gewinnt das Spiel.“ Teammanager Oliver Roggisch ergänzt: „Norwegen spielt zwar auf einem Toplevel. Aber wir können uns auch noch steigern“. Mit den Zuschauern im Rücken. Finn Lemke: „Ich hoffe, dass unsere Fans auch in Hamburg die Halle auseinandernehmen.“

Wichtig war auch, dass die „zweite Garde“ um Matthias Musche, Fabian Böhm und auch Tim Suton gegen Spanien Einsatzzeiten bekamen. Suton, der für Martin Strobel nachnominiert wurde, betrat nach zwölf Minuten das erste Mal das Spielfeld und traf gleich darauf zum 8:7 (14.). Während das DHB-Team die Angriffe meist erfolgreich beenden konnte, machten sich die Wechsel doch in der Defensive bemerkbar. Vor allem die Außenspieler der Spanier wurden immer wieder clever freigespielt, kamen in der ersten Halbzeit je auf fünf Treffer.

Ausgeglichenes Spiel

So war es bis zum Halbzeitpfiff ein ausgeglichenes Spiel, in dem sich keine der beiden Mannschaften absetzten konnte. Meist ging Deutschland mit einem Treffer in Front, Spanien zog kurz darauf nach und glich aus. Fabian Böhm sorgte für den 17:16-Pausenvorsprung.

Vier Tore von Suton

Kurz nach dem Seitenwechsel konnten die Spanier zwar den Ausgleich erzielen, aber dann legte das deutsche Team einen Zwischenspurt ein und setzte sich auf 20:17 ab. Auch dank Suton, der aufspielte, als wäre er vom ersten Spiel an dabei gewesen. Am Ende hatte der 22-Jährige vier Tore auf dem Konto.

Musche ganz stark

Bei der Rotation im deutschen Team bekam auch Magdeburgs Matthias Musche die erhoffte Einsatzzeit und bedankte sich dafür mit drei Toren. Grandios wie der Linksaußen elf Minuten vor Schluss ein Zuspiel von Torwart Silvio Heinevetter zum 27:23 nutzte und damit für eine Vorentscheidung sorgte. Musche zeigte auch erneut, dass vom Siebenmeterpunkt auf ihn Verlass ist und sich keine Sorgen machen muss, wenn Uwe Gensheimer mal patzt.
Am Ende wurde es zwar noch einmal eng, aber Silvio Heinevetter verhinderte eine Minute vor Schluss beim 30:29 den möglichen Ausgleich der Spanier.