Berlin l Nach zwei souveränen Siegen reichte es für die deutschen Handballer im dritten Gruppenspiel nur zu einem Punkt. Beim 22:22 (12:10) gegen Russland war mehr drin. Und das Spiel hat viel Kraft gekostet vor dem Duell mit Frankreich am Dienstagabend.

„Uwe, Uwe, Uwe“ –  die deutschen Zuschauer bauten ihr Team nach der Enttäuschung gegen Russland gleich wieder auf. Mit lautstarken Rufen wurde Kapitän Uwe Gensheimer nach dem TV-Interview vom Feld in die Kabine begleitet. Dort hockten schon die Teamkollegen. Vermutlich kopfschüttelnd. Denn sie alle  ärgerten sich über einen wirklich unnötigen Punktverlust. „Das ist extrem bitter. Aber wir müssen schon nach vorne schauen und jetzt nur noch an Frankreich denken“, erklärte Patrick Wiencek. Auch Fabian Wiede war enttäuscht: „Wir haben in der zweiten Halbzeit einfach zu viele Fehler gemacht und waren unkonzentriert.“ Und Paul Drux ärgerte sich: „Mir unterlief zum Schluss auch noch ein Fehlpass. Und die Russen sind ja keine No-Name-Truppe. Die nutzen das eiskalt aus. Aber einen Drei-Tore-Vorsprung dürfen wir trotzdem nicht mehr abschenken.“

DHB-Team fehlt Cleverness

Gemeint war das 20:17 sieben Minuten vor Schluss. Schon da wollten die Zuschauer mit lautstarken „Uwe-Uwe“-Rufen ihrem Kapitän beim Siebenmeter helfen. War aber nicht nötig. Denn Gensheimer legte den  Ball über den starken Russen-Torwart Victor Kireev cool ins Netz. Ein Klasse-Tor. Was für den Bundestrainer eigentlich vorentscheidend hätte sein müssen. Christian  Prokop: „Leider waren wir danach in den entscheidenden Situationen nicht so clever, wie wir es uns erhofft hatten. Wir haben zu früh geworfen und ein Gegenstoß verschenkt.“

Was sich bitter rächte. Gut eine Minute vor Schluss glich Russland zum 21:21 aus. Keinen hielt es mehr auf den Sitzen. Und Prokop holte seine Jungs noch einmal zu einer Auszeit zusammen. Der nächste Spielzug saß dann auch. Fabian Böhm brachte 45 Sekunden vor dem Ende das DHB-Team wieder in Führung. Die Halle wackelte. „Deutschland-Deutschland“-Rufe schallten durch das weite Rund. Aber jetzt hatten die Russen noch einmal den Ball und eine Auszeit. Während Prokop seine Jungs warnte, auf die Außen aufzupassen, bekamen die Russen offenbar die Order, es brachial durch die Mitte zu versuchen. Und das machte Sergej Kossorotow auch ganz stark und traf wenige Sekunden vor Schluss zum 22:22.

Nächster Gegner ist Frankreich

Unverdient war das natürlich nicht. Auch vor der Pause konnten sich Gensheimer, der mit acht Toren bester Werfer war, und seine Kollegen nie entscheidend absetzen. Die Russen machten es dem deutschen Team vor allem mit einer offensiven Abwehr schwer. Timur Dibirow versuchte, die  Passwege der deutschen Offensive schon in der Mitte ihrer Hälfte zuzustellen und Bälle zu klauen. Ein Gegner, der eindeutig aus anderem Holz geschnitzt war als Korea und Brasilien.

Prokop resümierte am Ende: „Die Russen spielten ihre Angriffe auch sehr diszipliniert aus und suchten immer wieder ihre linke Seite.“ Dort zeigte der überragende Dibirow mit acht Toren, dass er nicht nur Bälle stibitzen, sondern auch eiskalt vollenden kann. Prokops Fazit: „Das Schöne an unserem Sport ist, dass wir es gleich 24 Stunden später wieder ausbügeln können.“