Kumamoto (dpa) - Die deutschen Handball-Frauen saßen bereits ohne das erhoffte Olympia-Ticket im Flieger gen Heimat, als sich die Niederlande zum ersten Mal die WM-Krone aufsetzte.

Durch einen 30:29-Endspielsieg gegen Spanien feierte die Oranje-Auswahl bei der Weltmeisterschaft in Japan den bisher größten Triumph. Bronze ging an Olympiasieger Russland, der das Spiel um Platz drei gegen Rekord-Europameister Norwegen mit 33:28 für sich entschied.

Der DHB-Auswahl blieb die bittere Erkenntnis, dass der angestrebte Weg in die Weltspitze mühevoll und langwierig ist. "Wir stellen fest, dass wir Fortschritte machen, diese aber länger dauern, als wir es vor ein paar Tagen, als wir dicht vor dem Halbfinale standen, geglaubt haben", sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann vor dem Abflug.

Im Herbst 2017 hatte der Deutsche Handballbund auf seinem Bundestag das Ziel ausgerufen, bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio um eine Medaille bei den Frauen mitspielen zu wollen. Dazu kommt es nicht, weil der jungen Mannschaft nach dem Umbruch nach der verpatzten Heim-WM vor zwei Jahren noch Konstanz und Cleverness fehlen.

"Uns ist aufgezeigt worden, dass wir noch nicht dort sind, wo wir hinwollen", bilanzierte Bundestrainer Henk Groener. "Wir haben Olympia verpasst, daher kann man natürlich nicht zufrieden sein." Der 59 Jahre alte Niederländer ist nun gefordert, die richtigen Schlüsse aus den WM-Tagen in Japan zu ziehen. "Ich werde mir alle Spiele noch einmal in Ruhe anschauen und im Januar jede einzelne Spielerin besuchen, um das Turnier aufzuarbeiten", kündigte Groener an.

Bei der WM zeigte die DHB-Auswahl bereits gute Ansätze. Die schwere Vorrunde wurde mit Bravour gemeistert, danach gelang sogar ein Sieg gegen Weltmeister Niederlande. Die folgenden drei Niederlagen gegen Serbien, Norwegen und Schweden kosteten erst den Traum von der ersten WM-Medaille seit Bronze 2007 und dann auch noch von Olympia.

Dennoch blicken die Verantwortlichen zuversichtlich nach vorn. "Im Vergleich zur WM 2015 und WM 2017 war das eine Steigerung – vom spielerischen Format, vom Miteinander in der Mannschaft und auch vom Ergebnis", konstatierte DHB-Boss Michelmann. Bei den vergangenen beiden Weltmeisterschaften waren die deutschen Handballerinnen 13. und Zehnte geworden, nun sprang Rang acht heraus.

Auch Groener, dessen Vertrag vor der Endrunde bis Ende 2021 verlängert worden war, sieht eine Perspektive für die DHB-Frauen. "Beeindruckt hat mich die Entschlossenheit, die mannschaftliche Geschlossenheit und die Fokussierung der Spielerinnen", sagte der Bundestrainer. Ausnahme war das 24:35-Debakel im Spiel um Platz sieben gegen Schweden. "Da gab es leider eine große Enttäuschung", so Groener. "Das trübt das Gesamtbild."

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