Dessau (dpa) - Als sie am Samstag die deutschen Handballerinnen aufs Feld führte, war dies ein doppelt bedeutsamer Moment für Kim Naidzinavicius: Nach zehnmonatiger Verletzungspause feierte die 27-Jährige ihr Länderspiel-Comeback, zudem war die Spielmacherin erstmals Kapitänin der DHB-Frauen.

"Es war besonders, die neue Spielführerin zu sein, aber noch besonderer, wieder im Nationaltrikot aufzulaufen", sagte Naidzinavicius. Aber auch ihre sechs Tore waren nicht genug, um Olympiasieger Russland zu bezwingen. Die DHB-Auswahl verlor den Test in Dessau mit 31:35 (15:14). Für den seit Januar amtierenden Bundestrainer Henk Groener war dies an seinem 58. Geburtstag die erste Niederlage auf deutschem Boden im vierten Spiel. Der zweite Test gegen Russland findet am Sonntag (15.00 Uhr) in Nordhausen statt.

"Natürlich wollten wir unbedingt gegen Russland gewinnen und ein gutes Ergebnis erzielen, aber Henk hatte natürlich auch andere Ziele, zum Beispiel möglichst viele Spielerinnen im Hinblick auf die Europameisterschaft im Dezember zu testen", sagte Naidzinavicius nach ihrme 91. Länderspiel. An das 90. hat die Kapitänin der SG BBM Bietigheim keine guten Erinnerungen: Im Eröffnungsspiel der Heim-WM am 1. Dezember 2017 gegen Kamerun zog sie sich nach 140 Sekunden einen Kreuzbandriss zu – WM und Saison waren gelaufen.

"Mit meiner Rückkehr bin ich generell zufrieden. So langsam kommt meine alte Form wieder, aber es ist klar, dass das noch etwas schwankend ist", sagte sie. Das galt auch für den Rest der deutschen Mannschaft: Erst 3:7 hinten gelegen, dann die Partie gedreht und nach der Pause 21:18 geführt, die Partie durch einige technische Fehler aus der Hand gegeben und schließlich wurde man von den russischen Gegenstößen förmlich überrannt.

"Natürlich haben wir uns über die Niederlage geärgert, denn wir hätten gewinnen können", sagte Groener, der gleich vier Debütantinnen aufs Feld schickte: Anna Seidel, Mia Zschoke und Amelie Berger (alle von Bayer Leverkusen) sowie Torfrau Lea Rühter vom Buxtehuder SV.

Nach dem Achtelfinal-Aus bei der Heim-WM 2017 hatten acht Nationalspielerinnen ihre DHB-Karriere beendet, viele junge rückten nach. "Angesichts dieses Umbruchs war klar, dass auch ich mehr Verantwortung übernehmen werde", sagte die Naidzinavicius. Für sie war Vieles Neuland, schließlich hatte sie vor der Lehrgangswoche noch nie mit Groener und der runderneuerten Mannschaft trainiert.

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