Pristina (dpa) - 73 Tage bleiben Handball-Bundestrainer Christian Prokop nun noch. Am 10. Januar startet die deutsche Mannschaft gegen eine Auswahl Koreas in die Heim-Weltmeisterschaft - und bis zum Anpfiff in Berlin wartet auf den Coach noch Arbeit.

Um zwei Erkenntnisse ist der 39-Jährige aber schon nach dem lockeren 30:14-Erfolg in der EM-Qualifikation gegen Kosovo reicher: Die Abwehr des Europameisters von 2016 dürfte an guten Tagen auch die besten Teams der Welt zur Verzweiflung treiben können. In der Offensive sowie "in puncto Chancenverwertung haben wir noch Steigerungspotenzial", sagte Prokop nach dem klaren Sieg in Pristina.

Denn der Erfolg beim krassen Außenseiter hätte durchaus höher ausfallen können. Aber zum einen waren tatsächlich einige freie Würfe neben das Tor gegangen oder am starken Torhüter der Gastgeber gescheitert. Zum anderen haperte es zum Teil aber auch in der Gestaltung der Angriffe. Manchmal fehlte das Tempo, um selbst eine Mannschaft wie die der Kosovaren mal zu überraschen. Und so dürfte Prokop mit Blick auf die Nominierung seines vorläufigen WM-Kaders am 10. Dezember eine Erkenntnis gewonnen haben, die er schon nach der desolaten EM im vergangenen Januar hatte: Dass es dem deutschen Handball derzeit an einem Spielmacher von Weltklasse-Format fehlt.

"Sicherlich ist die Erkenntnis von Christian Prokop nachzuvollziehen, dass das schon bei der vergangenen EM eine Problemposition war", sagte der ehemalige Bundestrainer Heiner Brand der Deutschen Presse-Agentur. Der 66-Jährige äußert daher auch Verständnis dafür, dass Prokop zuletzt sogar den Zweitliga-Profi Martin Strobel zurück ins Nationalteam geholt hat. Der 32-Jährige, der 2016 mit der DHB-Auswahl den EM-Titel und Olympia-Bronze gewonnen hatte, spielte im Kosovo wie auch am vergangenen Mittwoch gegen Israel (37:21) solide. Ob er dem deutschen Team gegen Weltklasse-Gegner helfen kann, muss sich aber erst noch zeigen.

"Auf der Rückraum-Mitte-Position geht es ja um Spielsteuerung. Und Martin ist ein intelligenter Junge", sagte Brand. 2007 hatte Brand ebenfalls im eigenen Land die DHB-Auswahl zum WM-Titel geführt. Sein Spielmacher damals war der frühere Weltklasse-Akteur Markus Baur. Die aktuellen Alternativen zu Strobel sind der junge Tim Suton vom TBV Lemgo, der Leipziger Niclas Pieczkowski sowie Steffen Fäth, der bei den Rhein-Neckar Löwen zum Stammpersonal zählt, unter Prokop bisher aber nicht überzeugen konnte.

Wen der Bundestrainer am 10. Dezember in sein vorläufiges 28er-Aufgebot für die WM beruft, dürfte nicht nur deshalb spannend werden. Spätestens bis zum Eröffnungsspiel in Berlin muss er seinen Kader dann auf 16 Spieler reduzieren. Empfehlen können sich seine Spieler noch in drei Testpartien: Am 12. Dezember in Rostock gegen Polen, am 4. Januar in Hannover gegen Tschechien sowie am 6. Januar in Kiel gegen Argentinien. Spätestens dann dürfte Prokop auch wissen, mit welchem Spielmacher er in die WM startet.

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