Drei Annen Hohne l Gegen elf Uhr am Pfingstsonnabend flackert im „Kräuterhof“ das Licht. „Da war schon klar, was passiert“, sagt Kerstin Furtner, Direktorin des Hotels in Drei Annen Hohne. Kurz darauf ist der Strom weg. Vier Stunden ist das Haus in dem Nationalpark-Ort vom Netz getrennt. Die Havarie am Feiertagswochenende war nur der jüngste von vielen Stromausfällen.

Das will Christian Köbke nicht hinnehmen. „Bei ,Kyrill‘ oder ,Friederike‘ hatte man noch Verständnis - aber jetzt nicht mehr“, sagt der Geschäftsführer und Gesellschafter des „Kräuterhofs“ mit Blick auf die Sturmtiefs, die im Harz wüteten. Besonders seit „Friederike“ im Januar 2018 steigt die Zahl der Ausfälle. „Damals waren wir drei Tage ohne Strom“, erinnert sich Kerstin Furtner. Mit einem Notstromaggregat behalf man sich damals, doch für die Aufrechterhaltung des Hotelbetriebs reicht das nicht aus.

Mehrmals im Monat

Ein- bis zweimal pro Monat bleibt der Strom weg, schätzen Köbke und Furtner. Mal sind es nur ein paar Minuten, mal mehrere Stunden - so wie am Pfingstsonnabend. Das Frühstück war erledigt, doch wer abreisen wollte, konnte nicht auschecken, weil die Computer lahm gelegt waren. „Die Gäste waren sauer, weil sie warten mussten“, sagt Kerstin Furtner.

Die Hotelchefin kann dann nur beschwichtigen und das Nötige tun: Sie schaut nach, ob jemand im Fahrstuhl steckengeblieben ist. Dann prüfen die Techniker, ob ein Kurzschluss im Haus vorliegt. „Das war aber noch nie der Fall“, so Kerstin Furtner. Die nächsten Schritte führen zum Auto: Sie fährt in Richtung Elbingerode, bis sie Handyempfang hat - ohne Strom funktioniert der Funkmast auf dem Hoteldach nicht.

Sturm und Erdrutsch

Kerstin Furtner ruft dann ihren Chef und die Hotline des Stromversorgers Avacon an. Dort hört sie unterschiedliche Begründungen - mal habe der Wind, mal ein Erdrutsch Leitungen beschädigt. In erster Linie sei die Witterung für die Störungen verantwortlich, bestätigt Avacon-Sprecherin Corinna Hinkel auf Volksstimme-Anfrage. „Wir hatten in den letzten zwei Jahren mehrfach starke Stürme, die größtenteils durch Baumbruch zu Stromausfällen geführt haben.“ So auch am Pfingstsonnabend: Bäume waren in die Leitung gestürzt und hätten Leiterseile zerrissen. Hinzu kamen an anderen Tagen „Fehler im Mittelspannungskabel“. Die Schäden seien sofort repariert worden, betont die Sprecherin. Drei Annen Hohne wird je zur Hälfte über Freileitungen und Erdkabel versorgt. Die Freileitungen seien Mitte bis Ende der 1990er Jahre grundhaft saniert worden. „Der Kabelabschnitt, der in diesem Jahr zu Stromausfällen führte, wurde kurzfristig größtenteils ausgewechselt“, so Corinna Hinkel. Man hoffe, dass dies die Lage verbessere: „Die häufigen Stromausfälle bedauern wir sehr.“ Zudem sollen laut einem Netzkonzept, das in Arbeit ist, einige sturm-anfällige Mittelspannungs-Freileitungen durch robuste Erdkabel ersetzt werden.

Einbußen beim Umsatz

Das hilft Hotelgeschäftsführer Christian Köbke aber nicht. Er schätzt, dass dem „Kräuterhof“ durch die Havarie zu Pfingsten 5000 bis 7000 Euro Umsatz entgangen sind. Man habe weder Kaffee noch warmes Essen zubereiten können. Die Wasserversorgung ist bei längerem Ausfall in Gefahr, danach müssen Elektrogeräte wie Fernseher neu eingestellt werden. „Das ist eine Wahnsinnsarbeit.“ Zudem leiden die Geräte. In einem Entwicklungsland wäre dies normal- doch nicht in Deutschland. „Wir erwarten eine sichere Stromversorgung. Dafür bezahlen wir ja auch.“

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