München (dpa) - Lolle und ihr Liebeschaos begeisterten vor 18 Jahren viele Fernsehzuschauer. Tom, Sven, Alex - und mittendrin die frisch gebackene, chaotische Abiturientin Charlotte. Das Landei in Berlin, das sich nicht entscheiden kann, vor allem nicht für den einen Mann.

Als die Serie mit Hauptdarstellerin Felicitas Woll vor 15 Jahren endete, waren die Fans traurig. Jetzt gibt es ein Wiedersehen mit Lolle und ihren Freunden Sven (Jan Sosniok), Hart (Matthias Klimsa) und Rosalie (Sandra Borgmann). Neu dabei: Janina Uhse als schräge Dana. Alle sind älter geworden, so auch Lolle, die in "Berlin, Berlin - Der Kinofilm" heiraten und Mutter werden will. Doch vor dem Traualtar ergreift sie die Flucht und landet erst vor Gericht und dann im Harz.

Genau. Im Harz. Wer darauf gehofft hat, Lolle als hippe Großstädterin zu erleben, die von den unendlichen Möglichkeiten der Männersuche in Berlin gänzlich überfordert ist oder die nicht weiß, wie sie ihre Tinder-Dates regeln soll, der hat sich getäuscht, aber gründlich. Stattdessen gibt es wilde Verfolgungsjagden durchs Mittelgebirge, gottverlassene Bauernhöfe und Fabriken und ziemlich viel Grün. Sogar ein sehr schlecht gelaunter Braunbär taucht auf.

Idyllisch wird es trotzdem nicht, ist bei Lolle auch nur schwer vorstellbar. Ihre Hochzeit mit Hart platzt, weil Sven plötzlich auftaucht und ihr seine Liebe gesteht. Die Braut gerät in Panik, rast mit dem Auto durch Berlin, baut einen Unfall und muss zur Strafe Sozialstunden an einer Schule ableisten. Dort lernt sie Dana kennen und... hat einen Filmriss. Nach einer wilden Nacht wacht Lolle in einem Auto auf, irgendwo in der Pampa. Verloren in der Wildnis, ohne Handy, dafür mit Dana. Doch Sven und Hart sind schon auf dem Weg, um die Frau, die sie beide lieben, zu finden und für sich zu gewinnen.

Eine äußerst turbulente Geschichte - und leider völlig überdreht. Ein Wut schnaubender Crystal-Meth-Koch (Armin Rohde) und seine zwei höchst merkwürdigen Begleiter sind den beiden Frauen auf den Fersen. Was sie zur Geschichte beitragen, bleibt unklar. Noch absurder ist die Begegnung mit halbnackten Hippies, die sich mitten im Wald mit Gesängen und Stöhnen ihren esoterischen Spielchen widmen, darunter auch Harald (Kai Lentrodt). Als Lolle und Dana hier reinplatzen, sind sie empört: "Sie haben unseren Koitus interrupted!".

Ratlos sucht man die alten Folgen der Fernsehserie raus und stellt fest: "Berlin, Berlin" war vielleicht nicht immer hohe Serienkunst, aber doch unterhaltsam und frisch erzählt. Felicitas Woll als Lolle wehrte sich vehement dagegen, in klassische Mädchenkategorien gesteckt zu werden. Sie ist frech, nimmt kein Blatt vor den Mund und ist mit all ihrem Chaos sehr sympathisch. Und weil sie begeistert Comics zeichnet, tauchen immer wieder kurze Animationssequenzen auf - Bilder aus ihrer Gedankenwelt. Auch die anderen Figuren konnten einem ans Herz wachsen und machten gespannt darauf, wie es weitergeht. Eine Mischung, die der Serie nicht nur den Deutschen Fernsehpreis und den Grimmepreis beschwerte, sondern auch den internationalen Emmy-Award.

Manches findet sich im Film wieder wie die Comic-Sequenzen. Aus dem alten Team sind etwa die Regisseurin Franziska Meyer Price dabei oder der Schriftsteller David Safier ("Mieses Karma"), damals wie heute fürs Drehbuch zuständig. Trotzdem ist vom Charme wenig übrig. Die Geschichte versinkt im Chaos und die Figuren wirken wie Karikaturen ihrer selbst. Mit der alten Lolle konnte man noch mitfiebern - "was will sie jetzt mit dem?", "ein Kuss, wie süß" oder "so ein Idiot". Im Film interessiert das dagegen nur mäßig, denn für echte Gefühle ist in all dem hektisch inszenierten Chaos einfach kein Platz.

- Berlin, Berlin, Deutschland 2020, 80 Min., FSK ab 6, von Franziska Meyer Price, mit Felicitas Woll, Sandra Borgmann, Jan Sosniok

Berlin, Berlin - Der Kinofilm