Köln (dpa) - Von den lang vergangenen 80er Jahren legt vielfach nur noch das Bild im Führerschein Zeugnis ab. Damals feierten in bundesdeutschen Kinos Thomas Gottschalk und Mike Krüger als "Supernasen" Triumphe.

Beide waren keine Schauspieler, aber dafür sehr bekannt. Das reichte, um den Filmen einen Kassenerfolg zu bescheren. Ein ähnliches Konzept - nur zugeschnitten auf das 21. Jahrhundert -  verfolgt jetzt die Teenie-Komödie "Misfit", die am 14. März ins Kino kommt. 

Die Namen der jugendlichen Hauptdarsteller dürften Menschen über 20 kaum etwas sagen, doch Schülerinnen und Schüler erkennen sie sofort: Es sind Influencer, Social-Media-Stars, die der Jugend vorgeben, was musikalisch, modisch und überhaupt so angesagt ist. Diese Zielgruppen-Ikönchen wurden gemischt mit einigen jungen Darstellern, die schon in früheren Kinder- und Jugendfilmen aufgetreten sind. Das einzige ältere Ensemble-Mitglied ist Sylvie Meis (40), der Eltern-Generation bekannt als Jurorin und Moderatorin von Castingshows ("Das Supertalent", "Let's Dance"). Sie agiert als intrigante Schuldirektorin Himmelmann.

Hauptfigur des Films ist Schülerin Julia, verkörpert von der 18 Jahre alten Frankfurterin Selina Mour, die auf Instagram 450 000 Follower hat. Sie muss im Film mit ihren Eltern aus den USA zurück nach Deutschland ziehen. Dort entwickelt sich ihr Sozialleben zunächst nicht zum Besten, sie wird in der Schule von der Cool-Fraktion gemobbt. Solche Unbill kann ihr aber letztlich nichts anhaben, denn sie sieht nicht nur so gut aus, dass sie schon mehrere Schönheitswettbewerbe gewonnen hat, sie kann auch noch singen wie ein Goldkehlchen. 

Die Produktion lehnt sich sehr eng an ein niederländisches Vorbild aus dem Jahr 2017 an, dessen Trailer laut Werbung "der meistgesehene holländische Filmtrailer aller Zeiten auf YouTube" war. Die deutsche Version ist von demselben niederländischen Regisseur und wurde in Amsterdam gedreht. Das führt zu unfreiwilliger Komik, wenn Julia ihre Rückkehr nach Deutschland beklagt, dabei aber im Hintergrund eine typisch holländische Häuserzeile zu sehen ist.

Der Film ist in jeder Hinsicht von bestürzender Schlichtheit. Man hat den Eindruck, dass er innerhalb von wenigen Tagen an einem einzigen Set runtergedreht worden ist. Insofern sind die Voraussetzungen für einen kommerziellen Erfolg denkbar gut: Viel gekostet haben kann das nicht.

Es fällt schwer, angesichts dieses Werks nicht in eine misanthrope Altersgruppenbeschimpfung zu verfallen, nach dem Motto: "Und sowas gefällt euch?" Natürlich richtet sich der Film nicht an Menschen, die Zahnspangen und Pickelcremes lange entwachsen sind. Die passende Empfehlung an alle Erziehungsberechtigten sollte denn auch lauten: Lasset sie gewähren. Auch diese Phase geht vorüber.