München (dpa) - Mystisch, düster und außergewöhnlich: Der neue schwedische Kinofilm "Border" ist voller abgedrehter Wendungen. Mit einem Spagat zwischen Märchen und Krimi überschreitet das Werk nicht nur Genregrenzen, sondern auch die zwischen Mensch und Tier und den Geschlechtern.

Der Film kann sich dank der außergewöhnlichen Filmfiguren und einer noch außergewöhnlicheren Handlung durchaus sehen lassen - auch wenn er an der ein oder anderen Stelle schwächelt.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Tina (Eva Melander), eine deformierte Zollbeamtin mit geschwollenen Gesichtszügen. In ihrem Job an einem Fährhafen soll sie Kriminelle aufspüren. Dabei hilft ihr eine ganz besondere Gabe: Tina kann Gefühle wie Scham, Wut und Angst wittern. So lässt sie nicht nur Schmuggler, sondern auch einen Kinderpornoring auffliegen. Bei den Ermittlungen spielt sie eine wichtige Rolle.

Privat ist Tina eher eine Außenseiterin, die sich in der Natur wohler fühlt als unter Menschen. Im Supermarkt wird sie angestarrt, zwischenmenschliche Beziehungen fallen ihr schwer. Doch im Wald, wo sie zurückgezogen in einem kleinen Häuschen lebt, fühlt sie sich wohl. Immer wieder zieht es sie zu Flüssen und Tieren.

Ihr geregelter Alltag aus Job und Wald wird durch eine Begegnung mit dem Reisenden Vore ins Wanken gebracht. Die beiden sind sich nicht nur äußerlich ähnlich - Vores Gesicht ist ebenfalls deformiert, auch er ist naturverbunden und fühlt sich den Tieren näher als den Menschen. Doch Tina merkt schnell, dass er etwas zu verbergen hat.

Die beiden kommen sich trotzdem näher, auch weil Tina ihn bei sich im Waldhäuschen wohnen lässt. Abgedreht wird die Geschichte, als sich herausstellt, dass Vore weibliche Geschlechtsteile hat und eigentlich auch kein Mensch ist. Und auch für Tina ändert sich damit eine Welt. Bisher dachte sie, dass sie unter einem Gendefekt leidet.

"Border" sprengt die Grenzen zwischen Fantasie und Realität. Trotz einiger Elemente aus der Märchen- und Fabelwelt ist der Film erst ab 16 Jahren freigegeben und nichts für kleine Kinder. In Schweden kam das Werk gut an und holte eine Auszeichnung nach der anderen - darunter Preise für die Darsteller, die Maske und die Spezialeffekte. Er ging auch ins Rennen um den Oscar in der Kategorie bester nicht-englischsprachiger, holte aber keine Nominierung.

Der iranisch-schwedische Regisseur Ali Abbasi vereint Fantasy mit anspruchsvollem Kino und lässt sich dabei nicht auf ein Genre festlegen. Immer wieder zaubert er bizarre Wendungen aus dem Hut, die den Film sehenswert machen. Dabei beschäftigt er sich allerdings mit eher gängigen Fragen wie: Wer bin ich und wo ist mein Platz in der Welt? Doch das wird heruntergebrochen auf eine mutige Geschichte, die auf kreative Art erzählt wird.

Was dennoch auf der Strecke bleibt, ist die Spannung - und das trotz der zahlreichen Wendungen. Die Geheimnisse von Vore werden Stück für Stück gelüftet, was für eine gewisse Vorhersehbarkeit sorgt. Dank der eher kurzen Szenen wirkt der Film dabei aber nicht langatmig. Für die zweitgrößte Überraschung sorgt wohl das Ende.

Border, Schweden 2018, 110 Min., FSK ab 16, von Ali Abbasi, mit Eva Melander, Eero Milonoff

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