Berlin (dpa) - Frau Stern kennt die Tücken des Alters. Am Tresen in der Eckkneipe sitzt sie gebückt und wenn sie mit Goldsandalen durch Berlin-Neukölln läuft, ist sie langsamer als andere. "Ich will sterben", sagt die 90-Jährige ihrem Arzt zu Beginn des Spielfilms "Frau Stern".

Die Tragikomödie von Regisseur Anatol Schuster erzählt etwas über das Älterwerden und den Umgang mit Vergangenheit. Frau Stern hat den Holocaust überlebt, ein Restaurant geführt, ihren Mann verloren. Jetzt kommt noch regelmäßig ein Friseur zum Haareschneiden vorbei. Sie will ihrem Leben ein Ende setzen. Vielleicht kann der Kiosk-Verkäufer oder der Drogendealer der Enkelin mit einer Waffe helfen?

Regisseur Schuster schaut auf sehr leichte Weise auf das Ende eines Lebens. Im Mittelpunkt steht die mittlerweile gestorbene Hauptdarstellerin Ahuva Sommerfeld, der man in rund 80 Minuten gerne zusieht. Im Film singt sie mit verrauchter Stimme Karaoke, feiert mit der Enkelin und versucht, sich in der Badewanne zu ertränken.

Für Sommerfeld war es die erste Rolle als Schauspielerin. Kurz nach der Premiere beim Filmfestival Max Ophüls Preis sei sie im Alter von 81 Jahren gestorben, heißt es im Pressematerial. Das Filmfestival "Achtung Berlin" zeichnete sie im April posthum für ihre Leistung aus, gemeinsam mit Kara Schröder, die Enkelin Elli spielt. "Frau Stern" gewann dort auch den Preis als bester Spielfilm.

Die Tragikomödie zeigt das leichte Sommergefühl in Berlin, mit dem plötzlich alles möglich scheint. Das hat ein bisschen etwas von Berlin-Disneyland, was man nervig finden kann. Aber Schuster stellt auch sehr grundsätzliche Fragen. Etwa wie viel Abenteuer im Alter noch möglich ist und ob ein Punkt kommt, an dem man alles erlebt hat.

Frau Stern, Deutschland 2019, 79 Min., FSK ab 12, von Anatol Schuster, mit Ahuva Sommerfeld, Kara Schröder

Frau Stern