Hamburg (dpa) - Die Geschichte um Latte Igel ist schon mehr als 60 Jahre alt. Der Finne Sebastian Lybeck hatte sie sich damals als junger Mann aus purer Geldnot ausgedacht.

Mit der Erzählung von dem kleinen Igel, der mit einem Eichhörnchen Abenteuer erlebt, schrieb Lybeck in wenigen Tagen dann aber einen Kinderbuch-Klassiker, 1959 bekam er dafür den Sonderpreis des Deutschen Jugendbuchpreises. Nun kommt die Verfilmung des ersten Bands der Buchreihe in die Kinos.

"Latte Igel und der magische Wasserstein" nimmt das Publikum mit auf eine Reise in den Wald. Die Tiere dort machen sich Sorgen: Ihr Wasservorrat ist fast erschöpft, der Bach seit langer Zeit ausgetrocknet. Und als das Igelmädchen Latte Igel und Eichhörnchen Tjum aus Versehen dann auch noch den größten Kürbis zerstören und der wertvolle Wasservorrat in der Erde versickert, ist das Drama groß. Schuld ist wie immer das störrische Igelmädchen. Davon sind zumindest Rehe, Wildschweine, Hasen und Eichhörnchen überzeugt.

Da erzählt der weise Rabe Korp von einem Bärenkönig, der vor einiger Zeit den magischen Wasserstein gestohlen haben soll. Mit dem Quellwasser spendenden Stein, den ein tapferer Held zurückholen müsste, wären alle Probleme gelöst, ist der Rabe sicher. Das sieht Latte Igel als ihre Chance. So könnte sie die Tiere des Waldes retten und nebenbei noch allen zeigen, dass sie eben doch zu was nutze ist. Sie bricht mit dem gutmütigen, aber etwas ängstlichen Eichhörnchen Tjum auf - und gemeinsam bestehen sie so manches Abenteuer.

Der liebenswert erzählte Animationsfilm besticht durch eine wunderbare Animation. Die Gesichter der Tiere und die Umgebung sind dabei nicht überzeichnet, sondern realitätsnah und gleichzeitig kindgerecht. Mit der Abenteuergeschichte werden außerdem Themen wie Mut, Courage, Freundschaft, Ehrlichkeit, Mobbing und Teamgeist aufgenommen. Sogar die Auswirkungen der derzeitigen Klimaveränderungen auf den Wald und seine Bewohner kommen durch die Geschichte rund um das ausgetrocknete Bachbett zum Tragen. Dennoch wird der Film nicht schwer oder belehrend, sondern bleibt unterhaltsam, witzig und auf angenehme Art rasant.

Um die jahrzehntealte Romanvorlage von "Latte Igel und der magische Wasserstein" ansprechend für die Kinder des 21. Jahrhunderts machen zu können, war nicht viel Veränderung nötig. Die zeitlose Erzählung funktioniert damals wie heute. Im Buch, das in mehrere Sprachen übersetzt wurde, ist Latte Igel allerdings einfach ein Igeljunges und keine Igelin wie nun im Film. Außerdem ist die Sprache mit Sprüchen wie "Echt jetzt?! Dein Ernst?!", "Läuft bei mir!" oder "Chill mal!" auf ein bisschen cooler getrimmt. Insgesamt aber verzaubert die Verfilmung des Kinderbuchklassikers ganz ohne Kitsch und wilder Überdrehtheit.

Latte Igel und der magische Wasserstein, Deutschland 2019, 82 Min., FSK ab 0, von Nina Wels und Regina Welker, mit den Stimmen von Luisa Wietzorek, Tim Schwarzmeier und Henning Baum

Latte Igel und der magische Wasserstein