Berlin (dpa) - Natürlich träumt jede Autorin und jeder Autor davon, dass ihre Bücher veröffentlicht werden. Und trotzdem gehen unzählige Manuskripte wieder zurück an ihre Verfasser, die dann weiter schreiben dürfen oder frustriert aufgeben.

Aber vielleicht finden sich in dieser Bleiwüste der unerfüllten Träume doch einige verborgene, übersehene Meisterwerke, die unbedingt zu Büchern werden sollten? Um dieses reizvolle Gedankenspiel rankt sich die amüsante französische Komödie "Der geheime Roman des Monsieur Pick".

Die junge Verlegerin Daphné Despero (Alice Isaaz) entdeckt in einem abgelegenen Dorf in der Bretagne eine "Bibliothek der abgelehnten Bücher". Nach einigem Herumstöbern stößt die ehrgeizige Talentsucherin auf einen spektakulären Liebesroman, dessen Autor ein gewisser Monsieur Pick sein soll. Der war Pizzabäcker und starb bereits vor zwei Jahren.

Daphné bringt den Roman heraus, welcher prompt vom Pariser Literaturkritiker Jean-Michel Rouche (Fabrice Luchini) in höchsten Tönen gelobt wird. Aber der reichlich blasierte Buchpapst glaubt nicht an die Autorschaft von Pick und macht sich auf in die Bretagne. Dort trifft er auf die alleinlebende Joséphine (Camille Cottin), die Tochter von Pick, eine sehr kluge und belesene Lehrerin, die ihren Sohn "Melville" getauft hat. Und dies ist erst die erste Überraschung für den eitlen Kritiker, der gerade von seiner Frau verlassen wurde, und nun bemerkt, dass es außerhalb seiner Pariser Literatur-Blase noch ein richtiges Leben gibt.

Regisseur Rémi Bezançon entwirft mit sanfter Ironie ein Bild vom Literaturbetrieb als Jahrmarkt der Eitelkeiten. Interessanter noch als die notorischen Seitenhiebe auf all die Selbstdarsteller und Möchtegern-Genies in der Glitzer-Metropole Paris aber ist die behutsame Wandlung, die der Protagonist erlebt. Der eitle Literatur-Pfau Rouche, den der große Charakterdarsteller Fabrice Luchini ("Molière", "Das Schmuckstück") mit einer schönen Mischung aus Häme und Sensibilität verkörpert, entdeckt in der bretonischen Provinz, dass es mehr gibt als den schnellen, sehr vergänglichen Ruhm als Starkritiker. Und mit einer so selbstbewussten, schlagfertigen Frau wie Joséphine Pick, gewohnt energisch gespielt von Camille Cotton ("Das Familienfoto"), hatte er auch nicht gerechnet.

Die beiden liefern sich amüsante-bissige Wortgefechte, kommen sich näher, aber ein schlichtes Happy End kommt für diese kurzweilige Komödie nicht infrage. Schließlich muss ja das Rätsel von Monsieur Pick und seinem Roman noch aufgeklärt werden, und der Kritiker lässt in diesem Punkt auch nicht locker. Da werden noch etliche falsche Fährten ausgelegt, und das Publikum darf rätseln, wer sich denn diese Liebesgeschichte ausgedacht hat. Kann man denn beim Teigkneten nicht wirklich auch auf romantische Ideen kommen?

Der geheime Roman des Monsieur Pick, Frankreich 2019, FSK ab 0, von Rémi Bezançon, mit Fabrice Luchini, Camille Cottin, Alice Isaaz

Der geheime Roman des Monsieur Pick