Hamburg (dpa) – Mit dem Erstarken des Serienmarktes hat sie noch einmal deutlich zugenommen: die Angst davor, dass irgendjemand einem vorab eine entscheidende Wendung der Geschichte verrät. "Spoiler" nennt man derartige Spaßverderber.

Da Zuschauer zudem unterschiedlich spoilerempfindlich sind, ist es schwierig abzuschätzen, wie weit man bei der Ausführung einer Inhaltsangabe gehen kann – und ausgerechnet die vermeintlich harmlose Komödie "Manhattan Queen" macht es einem da besonders schwer.

Regisseur Peter Segal ("Get Smart") gibt sich mit seiner neuesten Arbeit nämlich nicht bloß einer weitestgehend vorhersehbaren Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Story hin. Die Drehbuchautoren Justin Zackham und Elaine Goldsmith-Thomas denken ambitionierter und bringen in ihrem Skript einen zweiten Handlungsstrang unter. Diesen zu verraten wäre ärgerlich, obwohl er letztlich das größte Problem an "Manhattan Queen" ist.

Doch von Anfang an: Maya (Jennifer Lopez) arbeitet in einem Supermarkt als stellvertretende Filialleiterin. Eigentlich wünscht sie sich aber mehr vom Leben. Das wird ihr erst recht bewusst, als ihr eines Tages der Posten der Filialleiterin verwehrt bleibt. Als sie ihrer besten Freundin Joan (Leah Remini) ihr Leid klagt und auch Joans Sohn davon Wind bekommt, nimmt dieser sich unbemerkt Mayas Lebenslauf vor. Nach ein paar kleinen Änderungen schickt er ihn ohne Mayas Wissen an einen großen Kosmetikkonzern, woraufhin Maya prompt zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird.

Vor Ort verkauft sie sich so gut, dass sie umgehend die Stelle als Marketing-Beraterin angeboten bekommt. Als erstes großes Projekt soll sie die Verkaufszahlen einer stagnierenden Pflegeserie nach oben treiben und dafür den Anteil natürlicher Inhaltsstoffe in dem Produkt erhöhen. Doch obwohl sie gemeinsam mit ihrem Team gute Ergebnisse liefert, droht sie immer wieder aufzufliegen.

Die an Filme wie "Prakti.com" erinnernde Prämisse gefällt in "Manhattan Queen" noch am ehesten. Dies liegt in erster Linie an Hauptdarstellerin Jennifer Lopez, die hier in einer vergleichbaren Rolle auftritt wie im sogar ähnlich betitelten "Manhattan Love Story". Schon in der Romantikkomödie aus dem Jahr 2002 kam "J.Lo" über Umwege an ihr großes Glück und fand die Liebe ihres Lebens.

Der Aspekt der Romantik rückt in "Manhattan Queen" nun aber in den Hintergrund. In erster Linie handelt die Geschichte von einer Frau, die sich trotz mangelnder Ausbildung ihren Traumjob erschleicht. Im Zusammenspiel mit ihren Co-Stars, darunter Leah Remini als Mayas resolute beste Freundin, macht der weitgehend spannungsarme Plot über die Erfindung einer Wundercreme sogar ordentlich Laune.

Leider fühlt sich "Manhattan Queen" zweigeteilt an. Neben der Creme-Erfindung geht es gerade in der zweiten Hälfte auch noch um familiäre Beziehungen in Mayas privatem Umfeld. Hier begeben sich die Macher in immer weniger glaubhafte Gefilde: Wann immer sich die Story in eine erzählerische Sackgasse manövriert, hilft ein glücklicher Zufall nach. Dies führt gerade in der Schlussphase zu einigen hanebüchenen Entwicklungen und hat zur Folge, dass die eigentlich emotionalen Aspekte nicht als solche wirken können, da sie schlicht und ergreifend nicht glaubhaft sind. So ist "Manhattan Queen" letztlich nichts Halbes und nichts Ganzes – aber immerhin bekommt man Jennifer Lopez mal wieder auf der großen Leinwand zu sehen.

Manhattan Queen, USA 2018, 103 Min., FSK ab 0, von Peter Segal, mit Jennifer Lopez, Vanessa Hudgens, Leah Rimini

Manhattan Queen