London (dpa) - Donnernde Kisten, quietschende Reifen, spektakuläre Überholmanöver und katastrophale Unfälle - das 24-Stunden-Rennen von Le Mans ist eines der berühmtesten Langstreckenrennen der Welt. Und lange galt es auch als eins der gefährlichsten.

Auf der Kinoleinwand lieferten sich 1971 Hollywood-Star Steve McQueen und der deutsche Schauspieler Siegfried Rauch ein halsbrecherisches Rennen in dem dokumentarisch anmutenden, fiktiven Drama "Le Mans". Nun kommt mit "Le Mans 66 - Gegen jede Chance" ein Rennsportfilm in die Kinos, der auf einer wahren Geschichte basiert: dem Prestige-Duell zwischen dem US-Konzern Ford und dem italienischen Sportwagen-Hersteller Ferrari.

Matt Damon ("Departed") spielt den ehemaligen Rennfahrer Carroll Shelby, der 1959 in Le Mans triumphierte und seine Karriere wenig später aus gesundheitlichen Gründen beenden musste. Shelby ist ein Getriebener. Er erfindet sich neu, wird Autodesigner und -verkäufer und mischt im Motorsport weiter mit. Einer seiner Mechaniker, der gleichermaßen geniale wie hitzköpfige Ken Miles, ist ebenfalls ein brillanter Rennfahrer. Oscar-Gewinner Christian Bale ("The Fighter") spielt den britisch-stämmigen Familienvater, dessen Temperament einer großen Motorsport-Karriere im Wege zu stehen scheint.

Für Shelby und Miles bietet sich die große Chance, als Ford entscheidet, beim Rennen von Le Mans gegen den Seriensieger Ferrari anzutreten, um sein Image mit dem aufregenden Gefühl des Rennsports und - noch wichtiger - des Sieges aufzubessern. Dafür rekrutiert Ford Shelbys Team. Zuvor hatte der US-Autobauer vergeblich versucht, den renommierten, finanziell angeschlagenen Ferrari-Konzern zu übernehmen. Aus dem gescheiterten Coup erwächst eine persönliche Fehde zwischen den stolzen Bossen Henry Ford Jr. und Enzo Ferrari. "Ford v Ferrari" lautet daher auch der US-Titel des Films.

Shelby und Miles bleiben nur wenige Monate bis zum Rennen, um den Ford GT40 - heute ein Kultauto und absoluter Klassiker - wettbewerbsfähig zu machen. Die ungleichen Freunde müssen sich dabei nicht nur mit zeitlichen und technischen Problemen herumschlagen, sondern auch mit "den Anzügen", den ungeliebten Bürokraten von Ford, die - ungewollt oder absichtlich - mit ihrer eigenen Agenda die Arbeit des Rennteams immer wieder behindern, ja geradezu sabotieren.

Josh Lukas spielt Fords Rennsport-Direktor Leo Beebe als fiesen Schnösel ohne Gefühl für den Sport. Köstlich ist Tracy Letts als Henry Ford Jr. Etwas zu kurz kommt allerdings Jon Bernthal als sympathischer, kerniger Ford-Vize Lee Iacocca, der überhaupt erst die Idee dazu hatte, ins Renngeschäft einzusteigen. Der echte Iacocca erlebte sogar noch den Drehbeginn im vergangenen Jahr. Er starb im Juli dieses Jahres im Alter von 94 Jahren.

Obwohl sie auf realen Personen basieren, sind manche Nebenfiguren in "Le Mans 66" etwas zu klischeehaft geraten. Dass die italienischen Ferrari-Piloten meist grimmig gucken und wie Bösewichte wirken, ist albern. Und ob Beebe wirklich so durchweg unangenehm war wie Lucas ihn im Film darstellt? Schließlich wird die Geschichte aus Sicht von Shelby und Miles erzählt, die Beebe definitiv nicht mochten. Shelbys damaliger Teamchef Charlie Agapiou und Miles' Sohn Peter - beide kommen auch im Film vor - wirkten an "Le Mans 66" als Berater mit.

"Logan"-Regisseur James Mangold hat einen sehr amerikanischen Film alter Schule gemacht, ein unterhaltsames und weitgehend unbeschwertes Drama mit nostalgischem Flair. "Le Mans - Gegen jede Chance" hat zwar nicht den Tiefgang früherer Werke Mangolds wie "Cop Land" oder das Oscar-prämierte "Walk the Line", punktet aber mit tollen Bildern im 60er-Jahre-Look, mitreißenden Rennszenen und seinen Hauptdarstellern, die hervorragend miteinander harmonieren. Die bewegende Geschichte der Männerfreundschaft zwischen Shelby und Miles ist zeitlos. Und man muss kein Motorsport-Fan sein, um beim spektakulären Finale auf der Rennstrecke von Le Mans mitzufiebern.

Le Mans 66 - Gegen jede Chance, USA 2019, 152 Min., FSK 12, von James Mangold, mit Matt Damon, Christian Bale, Jon Bernthal

Le Mans 66