München (dpa) - Wohin mit den High Heels, wenn man barfuß ist und die Hände mit Blumen und einem Filmpreis voll hat? Emma Thompson klemmt die Riemen ihrer Sandalen kurzerhand zwischen die Zähne und geht mit breitem Grinsen von der Bühne.

Auf dem Filmfest München wurde die 59 Jahre alte britische Schauspielerin mit dem Ehrenpreis gewürdigt, dem CineMerit Award. Jeder, der ein Ticket ergattert hatte, konnte dabei sein. Denn München ist ein Publikumsfestival mit der Tradition, dass Filmgrößen wie Oscar-Preisträgerin Julie Christie oder "Breaking Bad"-Star Bryan Cranston nicht hinter Absperrbändern verschwinden, sondern ihren Fans jede Menge Fragen beantworten.

Eine schöne Idee - und doch gibt es immer wieder Kritiker, die mehr Glamour fordern und am liebsten hätten, dass das Festival die Filmfestspiele in Berlin übertrumpft. Verglichen mit der Berlinale ist München aber einige Nummern kleiner. Das räumte auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bei der Eröffnung ein: "Wir sind die Nummer Zwei in Deutschland."

Zufrieden scheint er nicht: "Wir müssen größer denken", schob er hinterher. Drei Millionen Euro zusätzlich im Jahr soll das Festival vom Freistaat erhalten. Das Ziel: Ein internationales Medienfestival, "das digitale Trends mitgestaltet und Brücken schlägt über Genre- und Branchengrenzen hinweg", "ein echtes neues Highlight für die deutsche Kulturszene".

"Bayerns Ministerpräsident will die Berlinale vom Platz kicken. Der 1. Filmclub München gegen den 1. FC Berlin", lästerte der Berliner "Tagesspiegel" und unterfütterte dies mit Söder-Zitaten: "Wir sollten uns auf Dauer nicht mit Platz Zwei zufrieden geben" und "Es ist nur schwer zu ertragen, dass Berlin die Nummer Eins ist. München ist spannender und schöner." Der ewige Wettstreit - München gegen Berlin.

In der Tat hat die Hauptstadt der Isarmetropole in mancher Hinsicht den Rang abgelaufen. Große Premieren internationaler Kinofilme finden mittlerweile vor allem in Berlin statt. Und Hollywood-Stars lieben die Stadt. Auch deutsche Schauspieler leben gerne dort. München punktet dagegen mit vielen Produktionsfirmen und Unternehmen, die für digitale Effekte und Animationen in Filmen sorgen oder die Technik fürs Filmdrehen beisteuern.

Hier will Filmfestchefin Diana Iljine ansetzen. Virtuelle Realität, Computerspiele, Animationsfilme und TV-Serien - all das soll noch stärker auf dem Festival präsent sein. Ist es dann vorbei mit dem gemütlichen Fest, das Filmschaffende rund um den Regisseur Eberhard Hauff 1983 ins Leben gerufen haben? Iljine beruhigt: Der Film und das unabhängige Kino aus aller Welt blieben der Kern. Mit anderen Festivals will sich die energiegeladene und gut gelaunte Münchnerin nicht messen. "Wir vergleichen uns nicht mit der Berlinale", sagt sie selbstbewusst, findet aber auch: "Dass unser Ministerpräsident die Sache mit Berlin sehr sportlich sieht, kommt uns zugute."

Bleibt die Frage nach dem Glamour. Dass in München nicht so viele Hollywood-Stars unterwegs sind wie etwa bei den Filmfestspielen in Cannes, liegt mit am Budget, das mit derzeit noch rund 4,5 Millionen Euro weit hinter großen Festivals zurückbleibt. "Auch Glamour kostet", sagt Iljine trocken. Und selbst wenn es demnächst 7,5 Millionen sind: Bei den Gagen, die so mancher Filmstar für seinen Auftritt verlangt, dürfte das Geld nicht reichen, um noch Stars zu holen.

So wird es wohl weiter bayerisch gelassen auf dem Filmfest zugehen - was auch prominente Gäste zu schätzen wissen. Emma Thompson etwa genoss die gemütliche Münchner Lebensart und das strahlende Filmfest-Sommerwetter. Auf dem roten Teppich verkündete sie zufrieden: "Ich war auf dem Viktualienmarkt und habe sieben verschiedene Sorten deutschen Käse gekauft und Würste in der Menge meines Körpergewichts."

Filmfest München

Emma Thompson beim Filmfest München