Cannes (dpa) - Mit einem düsteren und Western-ähnlichen Drama hat der Italiener Matteo Garrone beim Filmfestival Cannes überrascht. Der Regisseur, der vor zehn Jahren für sein Mafiadrama "Gomorrha" den Großen Preis der Jury gewann, stellte "Dogman" im Wettbewerb vor.

Der Film spielt in einer tristen und rauen Gegend einer Stadt. Marcello ist in der Nachbarschaft beliebt; liebevoll kümmert er sich in seinem Hundesalon um die Tiere.

Dann aber drängt sich immer mehr der brutale Simoncino in sein Leben. Der drogensüchtige Kriminelle wird von allen gefürchtet, doch niemand traut sich ihm zu widersetzen. Irgendwann muss Marcello erkennen, dass er nicht immer nachgeben kann - auch wenn es wie der Kampf von David gegen Goliath wirkt.

Hauptdarsteller Marcello Fonte überzeugt dabei als naiver Familienvater, der aber genau wegen seiner Gutmütigkeit alles verliert, was er hat. Nicht nur italienische Zuschauer erkannten in der Geschichte außerdem eine Metapher für das Verhältnis der Italiener zu ihrem Staat.

In der Nebenreihe Un Certain Regard stellte außerdem der Deutsche Ulrich Köhler "In my room" vor. Darin berichtet der 48-Jährige ("Schlafkrankheit") zunächst von einem allein stehenden Mann, der nach Hause fährt, um bei seiner sterbenden Großmutter zu sein. Auf einmal aber ist alles anders: Die Menschen sind verschwunden, Armin (gespielt von Hans Löw) ist scheinbar der einzige Überlebende.

Köhler, der Lebensgefährte von Maren Ade ("Toni Erdmann"), inszeniert den ersten Teil des Films auf sehr realistische Weise und mit pointierten Alltags-Beobachtungen. Dann aber kommen zunehmend surreale und traumähnliche Sequenzen hinzu.