Los Angeles (dpa) - Wenn Josh (Ben Stiller) und Cornelia (Naomi Watts) Lust hätten, jetzt sofort nach Paris zu fahren, dann könnten sie das tun. Na gut, es gäbe keine günstigen Flüge mehr, und Urlaub zu nehmen ginge auch nicht so schnell. Aber immerhin: In der Theorie wäre Spontaneität möglich. Das versichern sich die beiden, ein kinderloses Paar Anfang 40, nachdem ihre Freunde ihnen gerade vom Babyglück vorgeschwärmt haben.

US-Regisseur Noah Baumbach (Frances Ha) benötigt in seiner Komödie Gefühlt Mitte Zwanzig, die jetzt auf DVD und Blu-ray vorliegt, nur ein paar kurze Sequenzen, um fast alles über diese Beziehung zu erzählen. Abends im Bett ist die zu helle Glühbirne der Nachttischlampe das Gesprächsthema zwischen dem mäßig erfolgreichen Dokumentarfilmer und Dozenten Josh und seiner Frau Cornelia, die einen berühmten Dokumentarfilmer zum Vater hat.

Diese beiden lernen (scheinbar) zufällig ein Paar Mitte Zwanzig
kennen. Jamie (Adam Driver und Darby (Amanda Seyfried)
faszinieren vor allem Josh sofort, der sich plötzlich mit Arthritis
und Weitsichtigkeit auseinandersetzen muss. Die New Yorker
Vorzeigehipster gehen nicht um elf ins Bett, halten nichts von
Facebook und leben mit einer riesigen Plattensammlung, einer
misanthropischen Mitbewohnerin und einem Huhn. Und dann ist Jamie auch noch ein aufstrebender Dokumentarfilmer, der an Joshs Lippen hängt. Sie haben so viel Respekt vor uns, frohlockt dieser.

Die neue Bekanntschaft erweist sich als Jungbrunnen. Ein Hut, ein
Hip-Hop-Kurs und eine bizarre Schamanen-Zeremonie machen das Leben endlich wieder aufregend. Wen stört es da, dass die jüngeren gar nicht auf die Idee kommen, mal die Restaurantrechnung zu übernehmen? Erst nach und nach streut Baumbach, der auch das Drehbuch geschrieben hat, Sand ins Getriebe: Die beiden Paare trennt eben doch mehr als knapp 20 Jahre. Aber wessen Lebenskonzept macht glücklicher?

Auf der DVD finden sich als Bonusmaterial Interviews mit Ben Stiller rund Regisseur Baumbach sowie diverse Featurettes.

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