Paris (dpa) - Für die Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin Margarethe von Trotta war Ingmar Bergman vor allem ein Meister seines Fachs und ihr Vorbild. In ihrem ersten Dokumentarfilm wollte die 76-Jährige mehr über den schwedischen Film- und Theaterregisseur wissen, dem sie erstmals Mitte der 70er Jahre begegnet war.

"Auf der Suche nach Ingmar Bergman" kommt am 12. Juli in die Kinos, zwei Tage bevor der Schwede 100 Jahre alt geworden wäre.

Für den Film ist von Trotta viel gereist. Sie hat die wichtigsten Schauplätze seiner Filme besucht und Familie, Freunde und künstlerische Wegbegleiter interviewt. Und weil sie wissen wollte, welchen Einfluss Bergman heute noch ausübt, hat sie mit verschiedenen Generationen von Regisseuren gesprochen wie dem Franzosen Olivier Assayas und dem Spanier Carlos Saura. 

Bergman (1918-2007) wurde 1997 in Cannes mit der einmaligen Auszeichnung "Als bester Filmregisseur aller Zeiten" geehrt. In seinen Filmen griff er immer wieder die Themen Tod, die Einsamkeit des Menschen und die Frage nach Gott auf. Zu seinen namhaften Werken gehören "Das Schweigen", "Das siebente Siegel" und "Wilde Erdbeeren".

Von Trotta lernte Bergman 1990 näher kennen, als sie in der Jury des Europäischen Filmpreises saß, dessen Präsident der Schwede damals war. Doch erst nach der Arbeit an ihrem Film, der im Mai in Cannes Premiere feierte, ist sie ihm wirklich näher gekommen, wie von Trotta in einem Interview mit der dpa erzählte. Sie habe einen sehr widersprüchlichen Mann entdeckt.

Frage: In "Auf der Suche nach Ingmar Bergman" sind Sie tief in das Universum des schwedischen Regisseurs vorgedrungen. Gibt es jetzt einen Bergman davor und danach?

Antwort: Ich bewunderte Bergman und kannte ihn vor allem als Filmemacher. Er war für mich ein Meister, ein Vorbild. Ich wusste aber nicht einmal, dass er neun Kinder und fünf Frauen hatte.

Frage: Und was haben Sie noch Neues an ihm entdeckt?

Antwort: Dass er ein sehr widersprüchlicher Mensch war, ein leidender Mensch, der aber auch plötzlich laut lachen konnte. Bergman war drei Mal in einer psychiatrischen Klinik. Er hat in seinen Filmen tief in seine eigenen Abgründe geblickt. Diese Spannung in seinem Leben findet man bei keinem anderen Regisseur.

Frage: Was hat Sie am meisten überrascht?

Antwort: Ich habe herausgefunden, dass er sich stark in seine Kindheit geflüchtet hat. In seinen Filmen hat er immer wieder seine Kindheit herausgeholt. Er wollte ein ewiges Kind bleiben. Ich hatte ihm einmal gesagt, dass ich ihn gerne als Vater gehabt hätte. Darauf antwortete er "Nein, nein, ich möchte von dir adoptiert werden".

Frage: Gibt es eine Eigenschaft aus Bergmans Filmen, die Sie übernommen haben? 

Antwort: Das Blicken in die eigenen Abgründe. Ich habe gelernt, nicht davor zurückzuschrecken, tief in die eigene Seele zu schauen.

Frage: "Auf der Suche nach Ingmar Bergman" ist Ihr erster Dokumentarfilm. Wie waren Ihre Erfahrungen?

Antwort: Mein Sohn, Felix Moeller, ist Dokumentarfilmer und hat mir sehr geholfen. Wir haben den Film zusammen gedreht. Ich war anfänglich etwas verzweifelt, denn bei einem Spielfilm kann man die Schauspieler dirigieren, bei einer Doku befragt man Menschen, die man nicht steuern kann.

Frage: Wollen Sie mit Dokumentarfilmen weiter machen?

Antwort: Nein, ich bleibe beim Spielfilm, da habe ich das Drehbuch geschrieben, kenne die Stimmung und das Szenario. Bei der Dokumentation bin ich zu sehr auf andere angewiesen, was sie sagen, wie sie reagieren. Aber man darf nie niemals sagen! 

ZUR PERSON: Margarethe von Trotta wurde am 21. Februar 1942 in Berlin geboren. Zunächst studierte sie einige Semester Kunst, Germanistik und Romanistik, bevor sie die Schauspielerei entdeckte. Mitte der 60er Jahre folgten größere Auftritte als Darstellerin, unter anderem in Filmen von Rainer Werner Fassbinder und Volker Schlöndorff, mit dem sie rund 20 Jahre verheiratet war. Ab 1977 führte sie selbst auch Regie. Für "Die bleierne Zeit" wurde sie 1981 in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.

Auf der Suche nach Ingmar Bergman