Berlin (dpa) - Nur 15 Minuten dauerte es, bis alle Preise verliehen waren. Und auf großes Interesse stieß die erste Oscar-Verleihung im Jahr 1929 auch nicht.

Heute ist der amerikanische Oscar ein ganz großes Ding: Als Julianne Moore im Jahr 2015 ihren Oscar als beste Hauptdarstellerin entgegennahm, wurde die dreieinhalbstündige Verleihung weltweit von etwa einer Milliarde Menschen am Bildschirm verfolgt, so die Macher der Berliner Schau Best Actress - Oscars. Rollen. Bilder (10.12.-1.5.16).

Das Museum für Film und Fernsehen widmet den 73 Künstlerinnen, die bislang mit dem Academy-Award als beste Schauspielerin geehrt wurden, eine glamouröse Ausstellung. Gezeigt werden Original-Filmkostüme und die Gala-Roben der Oscar-Gewinnerinnen - inklusive der Skizzen, die die Modemacher für ihre prominenten Kundinnen anfertigten. In bequemen Sesseln sitzend können die Besucher Radio- und Fernsehberichte über die Oscar-Shows verfolgen. Eine Ausstellung, die Lust auf die nächste Oscar-Verleihung am 28. Februar 2016 macht.

Plakate, Fotos und Programmhefte dokumentieren die Faszination der alljährlichen Nacht der Stars. Und die Oscar-Gala selbst ist natürlich ebenfalls eine große Bühne. Das Schauspiel hört nicht auf, wenn die letzte Klappe fällt, sagt Ausstellungskuratorin Daniela Sannwald. Das sehe man an den Dankesreden, bei denen es bis heute übrigens gar nicht so viele Variationen gebe: Lachen, Weinen, Stolpern, den Rock beim Gang vor das Millionenpublikum raffen oder eine politische Botschaft loswerden.

Zu den Höhepunkten der chronologisch aufgebauten Schau zählen zweifellos die Kostüme und Gala-Kleider der Schauspielerinnen. Nur liegend kann das wegen seines Alter sehr empfindliche Kleid mit superschmaler Taille ausgestellt werden, das Vivien Leigh als Scarlett O'Hara in Vom Winde verweht trug. Ein Foto zeigt die US-Schauspielerin, wie sie später ihren Oscar auf den Kamin stellt.

Susan Sarandons türkisfarbene Strickweste aus Dead Man Walking und Nicole Kidmans geblümtes Kittelkleid aus The Hours sind ebenso zu sehen wie das schlichte graue Kostüm, in das Kate Winslet für ihre Rolle in Der Vorleser schlüpfte.

Ein Objekt mit besonderer Strahlkraft: Das glitzernde Kleid von Cate Blanchett aus Armanis Nude Collection. In der über und über mit Pailletten, Perlen und Strasssteinen bestickten Tüllrobe nahm die Australierin im vergangenen Jahr strahlend den Oscar für ihre Rolle in Woody Allens Drama Blue Jasmine entgegen.

Die Ausstellung, in der viele Filmausschnitte gezeigt werden, hinterfragt auch die sich über die Jahrzehnte verändernden Rollenbilder in den Gewinnerfilmen. Unter den Rollen, für die weibliche Hauptdarstellerinnen einen Oscar bekamen, sind zum Beispiel allein sieben Sängerinnen und fünf Prostituierte sowie vier Adelige, drei Nonnen und eine Serienmörderin, wie die Ausstellungsmacher herausfanden.

Zuletzt seien auffallend viele Frauen best actress geworden, die in ihren Filmen physisch oder psychisch erkrankte Figuren spielten. Wie Cate Blanchett mit ihrer Rolle einer an ihrem Leben verzweifelnden Frau in Blue Jasmine oder zuletzt Julianne Moore. Sie erhielt in diesem Jahr den Oscar für ihre Darstellung einer an Alzheimer leidenden Sprachwissenschaftlerin in Still Alice.

Ausstellung Best Actress