Magdeburg l „Nirgendwo ist es besser als daheim“, sagt Dorothy im „Zauberer von Oz“ und genau diese Aussage macht das Stück für Sachsen-Anhalt interessant. Sagt jedenfalls Regisseur Sebastian (Basti) Wiese. Und beantragt Fördergeld für die Inszenierung, als Teil einer Rückkehr-Kampagne. „Für die Menschen hier, für die gebeutelte Region!“ Ja natürlich, wer, wenn nicht die Olvenstedter Laienspielgruppe „Braune-Sommer-Wiese“ wäre prädestiniert dafür, Werbung für unser Bundesland zu machen? Dafür wird letztlich sogar ein (Image-)Film gedreht – genial gemacht, als Höhepunkt der Inszenierung. Hier zeigte sich auch eine der besten Leistungen von Neuzugang Friederike Walter (als Luise Baum), mit einer wunderbaren Pantomime. Auch gesanglich brachte sich die Absolventin einer Hamburger Musical-Schule bestens ein, wenngleich sie im sprachlichen Teil am Premierenabend neben den kraftvollen Stimmen der Theatergruppe etwas zu kämpfen hatte.

Im 22. Versuch von „Olvenstedt probiert’s“ widmet sich die Theatergruppe also dem „Zauberer von Oz“, und dessen Rolle spielt nicht nur Regisseur Basti (Gerald Fiedler) höchstselbst, er muss sich auch als solcher beweisen – bei der Motivation der Darsteller. So wird aus der langjährigen Hauptactrice Beate Braune (Susanne Bard) nicht etwa die Dorothy, sondern die „anspruchsvollere Rolle der Hexen“. Natürlich schöne Hexen. Die schönsten überhaupt. Einen Zauber gleich. Die Herren lassen sich schneller überreden – sobald die blonde, junge Schönheit Luise erscheint, laufen sie zu Höchstform auf. Sie ist die Neue im Laienensemble, ausgebildete Musical-Sängerin, für die Inszenierung engagiert.

Das Publikum freut sich über Klassiker

In der geht es ausgesprochen musikalisch zu. „Ding-dong the witch is dead“ und „Over the rainbow“ sind nicht nur Hits aus dem Original „Der Zauberer von Oz“, sie bilden auch bei der Magdeburger Inszenierung Höhepunkte. Vom Gassenhauer bis zum Hochgesang zieht sich dabei das Spektrum, wobei die Rockvariante von Michael Magel (Andres Mann/Der Scheuch) lobend hervorzuheben ist. Gesanglich überzeugt ebenfalls Marvin Abdel Massih (Kescher). Wohingegen Achim Sommer (Michael Günther) vom Regisseur angewiesen wird, endlich bei Susanne Bard Gesangsunterricht zu nehmen, was beim Publikum für Lacher sorgt. Ist die Bard doch die Beate Braune im Stück und längst Kult, weil sie sich so schön die „Hoare“ macht. Und Gedanken auch noch, das bringt Abwechslung. Können doch Stammzuschauer längst die Sprüche der Inszenierung auswendig. Neulinge mag das im ersten Moment verwundern, doch schnell finden sie ins Geschehen.

Bilder

Kultige Sprüche aus zwei Jahrzehnten Sommertheater finden sich wieder, doch Autor Dirk Heidicke setzt sie sparsam ein, variierend im Kontext. Das bringt doppelt Spaß. Die Darsteller glänzen in einer äußerst unterhaltsamen Inszenierung, die sich auch ohne Vorkenntnis genießen lässt.

„Olvenstedt probiert’s“ ist eine Produktion der Kammerspiele Magdeburg. Autor des Stücks ist Dirk Heidicke, Regie führte Jörg Richter und die Ausstattung stammt von Meyke Schirmer. Aufführungen gibt es bis zum Sonntag, 2. August. Den Besuchern sei der Erwerb eines Programmhefts ans Herz gelegt. Darin gibt es neben Informationen zum aktuellen Stück einen Rückblick auf die Geschichte der Kultserie „Olvenstedt probiert’s“ und für Neuentdecker ein Glossar mit lokalspezifischen Erläuterungen. Damit wird auch auswärtigen Besuchern die Machdeburjer Sproache mit ihren Eigenheiten verständlich.