Magdeburg l „Der Garten der Torheit“ wirkt erfrischend. Alicia Paz sprüht vor Ideen. Die heute in London lebende Künstlerin hat in Kalifornien, Paris und der Themsestadt studiert. Ihr Metier Malerei reizt sie aus, nutzt seine vielen Facetten, lässt Grenzen verschwinden, nutzt die Collage, setzt Materialien und Objekte ein. Die meist großformatigen Arbeiten setzen auf Paradoxien, Illusionen und Scheinwelten. Zu denen bekennt sie sich, scheint sie wie im Rausch zu verknüpfen.

Ihr gefällt der Vergleich mit dem Dirigenten eines Orchesters. Laute und leise Töne werden zu einem, man möchte meinen, sehr komplexen Gesamtwerk. Der Versuch, die Bilder auch nur annähernd zu beschreiben, ist fast zur Erfolglosigkeit verurteilt. Ohne Distanz, aber auch ohne Nähe sind sie kaum zu deuten. Fast nur aus der Entfernung wirkt das Hauptmotiv, dann sind es auf der anderen Seite Details ohne Ende.

Und dann sind da die Bäume, unverzichtbar im Garten der Torheit. Auf dem Land der Eltern in ihrer Heimat Mexiko verbreiteten sie Geborgenheit, waren unverzichtbar. Aus diesen Gewächsen werden nun Gebilde, die auf die Struktur von Stamm und Ästen setzen. Bei „Rapunzel“ verzaubert die Märchenwelt. Das Haar entfaltet ein Eigenleben, wird mit dem Baum regelrecht in unzähligen Strängen verwoben, man könnte meinen, die menschliche Figur kann sich nicht von ihm lösen. Und gleichzeitig wachsen neue Wesen heran, sind im Entstehen begriffen.

Dann wieder löst sich Alicia Paz von der Farbigkeit, setzt auf schwarze und weiße Töne ohne ihre Emotionen zu bremsen. Das Grundkonzept bleibt so nahezu unverändert. Collagenhaft gesellen sich zum Baum kleine Bilder, Objekte, Materialen hinzu. „Ich bin immer auf der Suche nach solchen Dingen, brauche eine große Tasche, um unterwegs meiner Sammelleidenschaft, oder kurz gesagt Recycling, nachgeben zu können“, berichtet sie. So entsteht dann eine fast irre Mischung aus Popkunst und Rückgriffe in die klassische Malerei, mit der Geschichten erzählt werden. Die Künstlerin probiert sich ständig aus, sucht neue Ausdrucksformen. Da sind die lebensgroßen ausgeschnittenen Figuren. Damen, die auf eine Zweidimensionalität setzen und die in dieser Vielfalt erstmals in Magdeburg zu sehen sind. Den Weg zur Plastik, zu Skulptur scheut Paz trotz dieser aus dem Rahmen gelösten Darstellungen. Jedoch bleibt sie bei Frauenbildern, will als weiblicher Akteur die Rolle der Frau in der Kunstszene betonen.

Private Leihgeber aus Frankreich, der Schweiz und Großbritannien haben gemeinsam mit der Galerie Dukan die Exposition im Kunstmuseum der Landeshauptstadt ermöglicht. Sie setzt auf Malerei, die in der Gegenwart und beim Experimentieren mit modernen Medien fast ein wenig ins Abseits geraten mag.

 Die Werkschau wird am Sonnabend, dem 28. November, um 16 Uhr eröffnet. Sie ist bis zum 6. März 2016 zu sehen.