Halle l Sein Atelier: eine Tischlerwerkstatt. Sein Beruf: Bildschnitzer. Begriffe wie Künstler und Atelier passten nicht zu ihm, sagt der Hallenser Künstler Marc Fromm.

Man könnte das Spiel mit den Worten und Bezeichnungen für Koketterie eines Erfolgreichen abtun. Denn erfolgreich ist Marc Fromm: in diesen Tagen baute er seine Installation „Lampedusa. Good luck!“ – eine Installation mit Winkekatzen in untergehenden Booten – auf der Biennale in Venedig ab und am 12. Dezember wird ihm der Kunstpreis Sachsen-Anhalt verliehen. Doch diese Art der Bescheidenheit passt zu gut zu Marc Fromm, als dass sie ein Spiel wäre.

Die Maschinen sind zu schnell

Seine Werkstatt ist eine wohlgeordnete Tischlerei mit mehreren großen Maschinen. Vieles macht er trotzdem von Hand, weil die Maschinen „zu schnell“ sind, wie er sagt. Das langsame, monatelange Arbeiten an einem Stück ist Teil des Kunstwerks, über dessen endgültige Form Fromm erst bei der Arbeit entscheidet. Etwa die Figurengruppe vor dem Asia-Imbiss, der er den Namen „Krippe“ gegeben hat. Sie schwebte ursprünglich nicht, sondern war geerdet. In dem Moment, in dem er den Figuren die Erdung nahm, wurde aus einer eher banalen Szene ein Werk voller Bezüge, Ungewissheiten und Irritationen.

Bilder

Handwerklich zu arbeiten, ist in einer Zeit der Konzeptkunst, in der Künstler ihre Ideen von Heerscharen von Mitarbeitern umsetzen lassen, weil sie selbst keine handwerklichen Fähigkeiten besitzen, nicht unbedingt zeitgemäß. Doch mit unzeitgemäßen Entscheidungen kennt sich Marc Fromm ganz gut aus. Sein Interesse an der menschlichen Figur war in Hessen, wo er 1971 geboren wurde und aufwuchs, ziemlich ungewöhnlich, seine Entscheidung, an eine Kunsthochschule wie die Burg Giebichenstein in Halle zu gehen, die viel Wert auf das Vermitteln künstlerischer Grundlagen legt, ebenso.

Zuvor machte er auch noch eine Ausbildung zum Tischler, denn „meine Stümperei nervte mich“, sagt Fromm. Mit weniger als Perfektion will er sich seitdem nicht mehr zufriedengeben.

In seiner Werkstatt stehen momentan drei große Holzplatten, die zu Landschaftsreliefs werden sollen, eine kleine Winkekatze winkt von einem Schrank herunter, eine große Vorzeichnung hängt an der Wand. Ansonsten erinnert nichts an bereits entstandene Werke oder daran, dass das die Werkstatt eines Künstlers ist. Angefangenes, Aufgegebenes, Liegengelassenes gibt es bei ihm nicht. „Ich bin ein Kämpfer“, sagt Marc Fromm. Ist ein Werk fertig, wird es verkauft. Dann entsteht Neues. Er wird von zwei Galerien vertreten und hat treue Sammler, die seine Arbeit seit Jahren schätzen und das Fertige kaufen.

Das Thema Glauben fesselt

Momentan liegen auf seinem Büro-Arbeitstisch Frauenbilder aus Kunstgeschichte und Werbung, zwei Bände über Schnitzaltäre stehen dabei. Das große Thema Glauben lässt Marc Fromm nicht mehr los, seit er für die Kapelle des Elisabeth-Krankenhauses in Halle die Heilige Elisabeth und die Heilige Barbara (2005) schuf und für die Mansfelder Stadtkirche St. Georg die Figur „Luther als Treckejunge“ (2015) schnitzte.

Auch die Werbetafel mit dem Rolex-Mädchen gehört zu diesem Thema. „Die Models sind zeitgenössische Heilige mit dem Attribut der Zeit. Zeit ist heute doch das, was uns am wichtigsten ist.“ Dass manche ihn wegen dieser und ähnlicher Arbeiten für einen Konsumkritiker halten, findet er zu platt, zu eindimensional gedacht. „Ich suche den Schmerz, der unter der schönen Oberfläche lauert.“

Wenn Marc Fromm beschreibt, was ihn antreibt, dann ist schnell von Politik und Gesellschaft, von den Veränderungen durch die Digitalisierung des Lebens und von Sinnlichkeit die Rede. Allerdings geht es ihm nicht um Kritik, sondern darum „etwas von unserer Zeit festzuhalten“.