Berlin (dpa) l Es hätte ein so schön geradliniger Trend sein können: Das Streaming ist auf dem Vormarsch, Musik wird immer mehr als digitale Übertragung aus dem Netz gehört, statt gekauft zu werden. Doch dann gab die britische Sängerin Adele den Streaming-Diensten bei ihrem neuen Album „25“ einen Korb, setzte nur auf den Verkauf von CDs und Downloads – und stellte prompt einen Absatzrekord auf. Allein in den USA schlug „25“ mühelos einen über 15 Jahre alten Verkaufsrekord, als das Album in gerade einmal drei Tagen rund 2,433 Millionen Mal erworben wurde. Inzwischen liegt Adeles Album nach drei Wochen bei rund fünf Millionen Exemplaren im US-Markt.

In der Branche wird das Ganze sehr genau beobachtet. „Es geht um eine individuelle Analyse des Künstlers: Wo ist meine Fangemeinde? Über welche Zeiträume kann ich welche Erlöse generieren?“, sagt der Chef des Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI), Florian Drücke. „Die Streaming-Kunden wollen natürlich am liebsten alle Musik beim Dienst ihrer Wahl hören können“, räumt er ein. Wie werden sie reagieren, wenn in der Zukunft tatsächlich für mehr neue Alben zusätzlich zu ihrem Abo bezahlt werden müsste?

Trotzdem: Im deutschen Musikmarkt gab es dank Streaming-Diensten erstmals seit Jahren wieder ein kräftiges Wachstum. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um 4,4 Prozent auf 686 Millionen Euro. Dabei schossen die Streaming-Einnahmen im Jahresvergleich um mehr als 87 Prozent in die Höhe. Ihr Anteil am Gesamtmarkt stieg dadurch von 7,7 auf 12,8 Prozent.

Den Großteil des Geldes bringt der Branche in Deutschland allerdings nach wie vor die gute alte CD ein, zuletzt gut 60 Prozent. „Die CD ist im Moment noch das Rückgrat des Geschäfts. Falls es da einen größeren Einbruch geben sollte, wäre das für die Branche selbstverständlich ein Problem“, sagt Verbandschef Drücke. Und das Geschäft hängt massiv von einer kleinen Schicht von Vielkäufern ab. Laut Studien des BVMI gaben 2014 lediglich 3,7 Prozent der Bevölkerung mehr als 80 Euro für Musik aus. Sie sorgten aber für gut 46 Prozent der Umsätze. Jeder Abo-Kunde spült beim üblichen Preis von 9,99 Euro pro Monat in einem Jahr mehr Geld in die Kassen als viele aktive CD-Käufer.