Magdeburg l „Das Kaiser-Friedrich-Museum der Stadt Magdeburg repräsentiert einen neuen Museumstypus“, schrieb Theodor Volbehr in einem Zeitungsbeitrag kurz nach der Eröffnung des Hauses im Jahr 1906. Volbehr (1862-1931) war einst Gründungsdirektor und meinte mit diesem Satz nicht nur den imposanten Baukörper, sondern auch das prachtvolle Innenleben des Museums. Gemälde, Möbel, kunstgewerbliche Gegenstände wurden ausgestellt. Sammeln und Präsentieren war seit jeher Ziel. „Es ging damals darum, Kunst zu genießen und Kunst zu betrachten. Das steht auch heute im Vordergrund“, sagte Gabriele Köster, Direktorin der Magdeburger Museen, am Donnerstag beim Rundgang durch die neue Dauerausstellung.

„Kunstverführung. Die historischen Kunstsammlungen“ ist die Schau im heutigen Kulturhistorischen Museum überschrieben. Sie gibt einen Einblick in die Sammlungen und die Sammelleidenschaft von Magdeburger Mäzenen. Köster sprach vom „Fundament des Museums im bürgerlichen Engagement des 19. Jahrhunderts“.

Amphora aufwändig restauriert

Ausgestellt sind Bildteppiche der Renaissance, Bronzen, Gemälde und Skulpturen des 15. bis zum beginnenden 20. Jahrhundert, frühe italienische und spanische Majoliken und kostbare kunsthandwerkliche Objekte. Aus dem Bestand wurden stellvertretend für die Sammlungen 100 Prachtstücke ausgesucht. Sabine Liebscher, gemeinsam mit Ulrike Theisen Kuratorin der Schau, tut sich schwer, besondere Kostbarkeiten zu benennen. „Der Besucher wird staunen, was an Kunst in Magdeburg existent ist“, sagte sie.

Die Sammlungen sind bemerkenswert, aber vom Zweiten Weltkrieg auch gezeichnet. Allein Hunderte wertvolle Werke der einstigen Gemäldesammlung gingen verloren. Schwere Verluste hatte auch die griechische Vasensammlung zu verzeichnen. Die historischen Gipse haben die Zerstörung der Stadt überstanden, sie waren aber im Keller eingelagert und systematisch dem Verfall preisgegeben. Einige wurden restauriert – wie so manches für diese Dauerausstellung.

Stolz sind Köster und die Kuratorinnen auf die Strickhenkelamphora, die auf die Zeit um 440 vor Christus datiert ist, und in über hundert Fragmente zersprungen war. Nach ersten provisorischen Klebungen konnte die Vase jetzt mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder über das Förderprogramm „Kunst auf Lager“ restauriert werden. Laut Theisen wurde sogar der Töpfer identifiziert, der Maler allerdings nicht. Auf einem Bildschirm kann der Besucher alte Fotografien sehen, die den Zustand der einst ausgelagerten Objekte und die Erfolge der Restaurierungsmaßnahmen dokumentieren.

Den Krieg überstanden haben drei prächtige Gobelins, die schon Jahre vor der Museumseröffnung 1906 von einer Mäzenin angekauft worden waren. In einem abgedunkelten Raum reichen die großflächigen Bildteppiche fast bis unter die Decke. Eines der textilen Kunstwerke erzählt die Geschichte vom Verkauf der geraubten Heidenkinder. Obwohl um 1500 entstanden, haben die Farben die Jahrhunderte gut überstanden.

Intensive Farben stehen auch für das Gestaltungskonzept. Sie leiten den Betrachter visuell durch die Schau und setzen die Exponate in ein besonderes Licht.

Öffnungszeiten: Di. bis Fr. 10 bis 17 Uhr, Sa./So. 10 bis 18 Uhr. Heiligabend, 1. Weihnachtsfeiertag und Silvester geschlossen.