Zens l Im großen Garten, auf dem Fensterbrett, in den Regalen im Atelier – überall im Hause Feldbach in der kleinen Gemeinde Zens (Salzlandkreis) sind engelhafte Elfen unterwegs. Mal liegend, mal stehend, mal im Baum hängend – sie gehören seit Jahren zum Haushalt der Keramikerin und ihres Mannes Michael.

Wie viele sie bereits geformt, bemalt, gebrannt hat, Bärbel Feldbach weiß es nicht. Hunderte vielleicht, sagt sie.

2006, so erinnert sich die Künstlerin, habe der Elfenreigen begonnen. Der Sohn hatte ihr damals ein Buch über Naturgeister geschenkt. Gnome und Trolle, Feen und Elfen aus ganz Europa kamen darin vor. Feldbach las: Baumelfen haben lange weiße Gewänder und lange grüne Haare und leben in Bäumen. „Ich fand sie entzückend und wollte ihnen auf meine Art Gestalt geben.“

Die erste Elfenproduktionszahl lag bei 23. Die Keramiken wurden anfangs im weitläufigen Garten versteckt, eine wurde von Feldbachs mit einem Draht an einem Mast befestigt. Jahrelang hing sie dort. Bis eines Tages ein Sturm die Elfe zu Boden stürzte. Sie ging nicht kaputt, überlebte und beobachtet nun das künstlerische Schaffen im ausgebauten Atelier. Die Elfe mit den ausgebreiteten Armen, man könnte meinen, sie dreht sich im Tanze, ist sozusagen Familienmitglied geworden. Nur einen Namen gibt es nicht für das Püppchen aus Ton.

Bärbel Feldbachs gut gelaunt aussehende Elfen sind seit Jahren Verkaufsrenner. Nicht nur zu Weihnachten. Große und kleine erschafft sie, mit Nase und angedeuteten Augen, den langen, spaghettiförmigen Haaren, dem Gewand. „Es gibt keine Form. Jede wird neu erschaffen, jede hat einen anderen Ausdruck“, sagt Feldbach. Ihre Elfenkreativität kennt kaum Grenzen – sogar Männer gibt es. Sie tragen Haare wie Pumuckl, nur ohne das knallige Rot.

Allen gemein ist ein helles Grün und ein helles Gewand. Die Künstlerin nennt die Gestaltung einen „Ausbruch in die Farbigkeit“. Wer Feldbachs Arbeiten kennt, der weiß, dass sie naturbelassene Töne liebt. Vieles ist erdfarben und trägt ein schlichtes Design. Immer wieder hat ihre Kunst die Feldbach-typischen Ritzungen, aus denen bemerkenswerte Figuren entstehen.

Erdacht wird das alles im Atelier unter dem Dach ihres Wohnhauses in der kleinen Gemeinde Zens, liebevoll Zicken-Zens genannt. Der Blick vom Arbeitsplatz ist frei in den Garten. „Wenn ich hier hochgehe, kann ich loslassen von allem“, sagt die Künstlerin. Ihre Fantasie geht dann ihren eigenen Weg.

Bärbel Feldbach war schon als Kind fantasievoll, kreativ. Erster Lehrmeister war ­Dario Malkowski, der kriegsblinde Schönebecker Bildhauer. Bis zum Abitur lernte sie bei ihm. Bärbel Feldbach wurde Industriekauffrau, bevor sie an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein anfing, dort ihr Diplom als Formgestalterin machte. Seit 1978 ist sie freischaffend. Sie arbeitete mit Michael Emig und Dieter Ladewig zusammen, schuf für den öffentlichen Raum in Schönebeck unter anderem die im Kurpark aufgestellte Skulptur „Knabe mit Reh“ und die Büste von Dr. Wilhelm Tolberg, dem Gründer des ersten deutschen Solebades.

Seit vielen Jahren gibt Bärbel Feldbach ihr Wissen weiter, leitet Kurse in der Volkshochschule und bei sich im Atelier. Ihre Kursteilnehmer kennen die Elfen. Und wer zu ihr nach Hause kommt, wird begrüßt von diesen Fabelwesen. Die Künsterin hat sie aus einer verborgenen Welt geholt.