Quedlinburg l Bäume, Wälder, Berge, Schluchten, immer wieder harztypische Steine, aufgeschichtet, mystisch und ursprünglich. Ob Wieland Payer – er lebt und arbeitet in seiner Geburtsstadt Erfurt sowie in seiner Studiumsstadt Dresden – tatsächlich vom Harz animiert wurde, bleibt unbeantwortet. Aber seine ausgestellte Kunst, „Waldstaub“ überschrieben, hat ein beherrschendes Thema: Landschaften – und mit ihnen der Wald.

Da ist kein Platz für Menschen, auch nicht für Tiere und nicht für Horizonte. Payer durchbricht nicht nur die traditionell kleinen Arbeiten aus Pastellen und arbeitet mit Größe und Rundungen, was eher die Richtung Malerei erahnen lässt. Mit seinen Arbeiten hinterfragt er, wie ein Landschaftsbild aussehen sollte, und gibt seine Antwort mit seinen vielen Perspektiven. Hohe Bäume, Schluchten, einsame Häuser im dichten Wald. Darin ist vieles versteckt, angedeutet. Erst beim genauen Betrachten fällt ein Haus, ein Boot, ein von Spinnen gewebtes Netz auf. Oft fehlt der Himmel, Tannen ragen bis ans Bildende, Regen fällt strichförmig und bildbeherrschend, immer wieder geometrische Figuren, die anzeigen, dass nichts mehr ursprünglich ist. Payer scheint sich der Horizontlinie zu verweigern.

Neben seinen Arbeiten mit Pastell und Kohle auf Papier sind auch Fotos ausgestellt sowie die Lithografienserie „Temple“. Brücken, Häuser und Türme sind zu sehen, die einst der Mensch geschaffen hat, der Schneisen schnitt, in die Natur eingriff. Jetzt verfallen sie, die Natur erobert sich die einst preisgegebenen Gebiete zurück.

Natur und Landschaften sind auch das große Thema bei Hiroyuki Masuyama, dessen „Lichtfeld“-Fotografien als Korrespondenz zu Payer gesehen werden sollen. Der gebürtige Japaner, der Öl- und Wandmalerei studierte und seiner Arbeit an der Kunstakademie Düsseldorf ein Studium für Fotografie und Film angeschlossen hatte, hat sich für seine Fotoarbeiten von malenden Künstlern inspirieren lassen. Zum Beispiel von Caspar David Friedrich (1774-1840). Der malte 1824 den Watzmann, ausgestellt in der Alten Nationalgalerie Berlin. Masuyama reiste zu jenen Orten, fotografierte hundertfach die Bergwelt und ließ eine Digitalfoto-Montage entstehen, die ein Caspar-David-Friedrich-Gemälde vermuten lässt. Er begab sich auch auf die Spuren des englischen Malers Joseph Mallord William Turner (1775-1851). Turner hielt einst in Tausenden Zeichnungen seine Reisen fest, Masuyama fotografierte gleichfalls in Tausenden Kleinstaufnahmen die Originalschauplätze, die Turners Bildern zugrunde liegen. Wer nah an die mit LED-Leuchtkästen hinterlegten Arbeiten herantritt, kann Veränderungen der vergangenen 200 Jahre entdecken. Asphaltierte Straßen und Häuser, bergwandernde Touristen als Zeichen für eine sich verändernde Kulturlandschaft.

Die Doppelausstellung „Waldstaub“ und „Lichtfeld“ ist bis zum 30. Mai zu sehen, Öffnungszeiten mittwochs bis montags sowie feiertags von 10 bis 18 Uhr.