Berlin/Arendsee l Schluss mit Schunkeln – jetzt wird getanzt. Die erste Single aus „Restless“ ist das aufgeweckte Pendant zum gemütlichen Ohrwurm „Is It Right“, mit dem Elaiza Deutschland 2014 beim Eurovision Song Contest in Kopenhagen vertraten. „Hurricane“ heißt sie und geht gleich in den ersten fünf Sekunden in die Vollen: Orientalische Klänge, zackiges Klatschen und ein spritziges „Hey“! Dann mischen sich die ersten Textzeilen ein, sie erzählen von Rastlosigkeit.

Gemütlichkeit spielt auf diesem Album überhaupt eine erstaunlich kleine Rolle. „Wir haben es bewusst tanzbarer und poppiger angelegt als das erste. Auf Konzerten haben wir gemerkt, dass solche Lieder gut ankommen“, sagt  Yvonne Grünwald. Die gebürtige Arend­seerin lebt heute in Berlin. „Außerdem wollten wir uns von diesem einen Song abheben.“

Dabei hat dieser Song der Akkordeonistin und ihren Kolleginnen – Sängerin und Pianistin Elzbieta „Ela“ Steinmetz und Bassistin Natalie Plöger – einen kräftigen Karriereschub verpasst. Er brachte sie in den ESC-Vorausscheid, katapultierte sie dort am Favoriten Unheilig vorbei zum Sieg, verhalf ihnen dann in Kopenhagen zu einem entspannten 18. Platz im Mittelfeld. Monatelang dudelte „Is It Right“ im Radio, obendrauf bescherte der Song Elaiza eine goldene Schallplatte.

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Bei Zweifeln gegenseitig geholfen

Nach dem ESC wurden die drei noch über Wochen durch TV-Shows gereicht, das Debütalbum schaffte es in dieser Zeit immerhin auf Platz 24 der Charts. Dann, als der Medienrummel abgeebbt war, legten Elaiza mit der Arbeit an Platte Nummer zwei los.

Alles auf Anfang – wie fühlte sich das an? Grünwald: „Man hat schon den Druck gespürt. Nicht umsonst sagt man, das zweite Album sei das schwierigste. Man fängt quasi wieder von vorn an, muss sich neu beweisen“, sagt sie. „Das ist ein ständiges Auf und Ab an Emotionen, und natürlich kommen da auch mal Zweifel auf. Wir zu dritt können uns da aber gegenseitig stärken und auch ganz schnell aus einem Tief wieder rausholen.“

Den Neustart haben Elaiza nicht nur genutzt, um ihre Fans zum Tanz zu bitten. In einigen Songs haben sie ihren Stil auch um eine Facette erweitert, mit der man bei Folk Pop kaum rechnet: elektronisches Flair. Statt dafür künstliche Geräusche aus dem Computer zu ziehen, nutzten sie ihre Instrumente: Klopfen auf den Kontrabass, rhythmisches Luftablassen am Akkordeonbalk.

Ein Michelle-Song und ein Wurst-Cover

Knapp zwei Jahre hat es gedauert, bis „Restless“ fertig war. Parallel hatten die Mädels allerdings noch anderes zu tun. Alle zusammen gingen auf Deutschlandtour durch Kulturhäuser. Ela Steinmetz, aus deren Feder auch die Elaiza-Lieder stammen, schrieb Songs für andere Künstler, darunter Schlager-Star Michelle. Natalie Plöger trat in einer Jazz-Formation auf.

Grünwald widmete sich zwei Projekten: einem klassischen Trio und dem Duo „Aurata“, in dem sie mit Sopranistin Teresa Hoerl Klassik und Pop mischt. „Zurzeit arbeiten wir an einem Programm, bei dem wir Eigenkompositionen, Schauspiel und Tanz auf die Bühne bringen“, erzählt die 31-Jährige. Außerdem haben die beiden gerade den ESC-Siegersong von 2014 in einem Video neu interpretiert: Auf einem Berliner Grenzturm drehten sie ihre Version von Conchita Wursts „Rise Like a Phoenix“.

Alle Elaiza-Mädels gemeinsam gibt’s wieder ab Herbst auf Tour zu sehen, am 18. November kommen sie in den Moritzhof Magdeburg. Bis dahin ist dann auch raus, ob „Hurricane“ ähnlich einschlägt wie damals „Is It Right“. In die Radiocharts ist der Song zumindest schon in die Top 100 eingestiegen.

Das Album erscheint am 6. Mai.