Berlin (dpa) l Produziert hat Moses Schneider, der auch schon mit Tocotronic und den Beatsteaks arbeitete. Es bleibt aber beim typischen Keimzeit-Geschichtenerzähler-Sound: oft ruhig und nachdenklich, teils auch rockig.

Produziert wurde die Platte in einem Studio auf dem ehemaligen Berliner Flughafen Tempelhof. Ein geisterhaft anmutendes, zart gezeichnetes weißes Schloss ziert das Cover. Der Titelsong im Easy-Listening-Stil dreht sich um ein Schloss, in dem Sänger und Songschreiber Norbert Leisegang (58) bis zur 8. Klasse zur Schule gegangen ist, wie es in der Mitteilung zum Album heißt.

Teilweise autobiografisch

Die zwölf Stücke sind demnach teilweise autobiografisch. Die Idee für „Stillstand“ etwa entstand nach einer Zugreise des Sängers, bei der die Passagiere wegen eines heftigen Sturms am nächsten Bahnhof aussteigen mussten – und nicht wussten, wie es weitergeht. „Stillstand ist aktuell mein bevorzugtes Transportmittel“, singt Leisegang in Zeiten, in denen für viele das Leben fast nie stillsteht.

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In „Actionkalle“ beschreibt Leisegang seine Beobachtungen bei einem Klassentreffen – im rockigen, schlagzeugintensiven Gewand. „Der fliegende Teppich“ bietet hingegen eine Parabel: „Sagt der Teppich zu dem Boden – Halt die Klappe, du bist unten, ich liege oben – Darauf der Boden: Das hat seinen Grund – Verschüttet irgendjemand seinen Wein, bist du der dumme Hund“, heißt es in dem Zwiegespräch zweier Sänger zu beschwingt-heiterer Melodie.

Keimzeit („Kling Klang“) wurde 1982 in Lütte bei Belzig gegründet – von den Geschwistern Norbert, Hartmut, Roland und Marion Leisegang. Zwei Jahre hatten sie zuvor schon unter dem Bandnamen Jogger zusammen musiziert. Die erste Keimzeit-CD „Irrenhaus“ kam mitten in der Wendezeit 1990 heraus und wurde sofort ein Erfolg. Heute sind nur noch zwei der vier Geschwister dabei: Sänger Norbert und Bassist Hartmut Leisegang.

Die Tour zum Album führt ab 1. Februar bis Jahresende unter anderem nach Magdeburg (18.8.), Potsdam (11.10.), Wernigerode (12.10.) und Leipzig (13.12.)