Harzgerode (dpa) l In den vergangenen Wochen sind im ehemaligen Dorf Anhalt bei Harzgerode (Landkreis Harz) mehrere tausend alte Alltagsgegenstände geborgen worden. "Die Stücke datieren in das 12. bis 15. Jahrhundert", sagte Archäologin und Grabungsleiterin Anna Bartrow. "Darunter sind zahlreiche verzierte Keramikscherben von Koch- und Tafelgeschirr sowie Alltagsgegenstände aus Eisen und Buntmetall." Am Mittwoch wurden die Funde nun präsentiert.

Das einstige Dorf hatte eine Fläche von 6 bis 11 Hektar. Von der Siedlung zeugen heute einige Hofstellen, Brunnenvertiefungen und ein Schutthügel der Dorfkirche. Zudem gibt es in der Nähe einen Steinbruch und zahlreiche trichterförmige Vertiefungen, sogenannte Pingen, ein sicheres Zeichen für den Bergbau im Mittelalter. "Hier wurde in primitiver Form nach Erzen geschürft", sagte Bartrow.

Ausgegraben wurden unter anderem verzierte Schnallen und Armbrustbolzen, ein Reitersporn sowie mehrere Hufeisen, aber auch Backsteine, gebrannter Lehm und Dachziegel. Ebenso fanden sich Spuren einer metallurgischen Produktion in Form von Schlacke. Auch eine Ofenanlage, die möglicherweise der Metallverarbeitung diente, und ein gut erhaltener Steinkeller eines Hauses kamen zum Vorschein und wurden untersucht.

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"Neben der Landwirtschaft könnte auch die Verhüttung von Erzen ein wirtschaftliches Standbein des Dorfes" gewesen sein, sagte Bartrow. "Die Siedlung wurde frühestens im 11./12. Jahrhundert gegründet, aber bereits im Jahr 1440 wieder aufgegeben", sagte die Archäologin. Als Beweis gibt es ein Schreiben an den Bischof von Halberstadt, in dem die Bewohner das Kirchenoberhaupt bitten, ihre Kirchenglocken abnehmen zu dürfen, weil sie nach Harzgerode umgezogen seien. Als Gründe für die Aufgabe des Dorfes kommen Krankheiten wie die Pest, Klimaveränderungen oder Kriege in Frage.

Das Dorf Anhalt ist eines von rund 100 in der Region Harz im Mittelalter aufgegebenen Siedlungen. Die Grabungen erfolgen in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit der Universität Halle und dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt. Sie sollen im kommenden Jahr fortgesetzt werden.