Seeburg (dpa) l Am Süßen See westlich von Halle ist erstmals eine Unterwasserdrohne bei der Suche nach archäologischen Schätzen zum Einsatz gekommen. "Dabei wurden von der Drohne vermutlich die Reste eines Hügelgrabes geortet, unter der Voraussetzung, dass vor mehreren tausend Jahren die Stelle auf trockenem Boden stand", sagte Landesarchäologe Harald Meller am Donnerstag. Die kreisförmige Anlage mit einem Durchmesser von sechs Metern liege in vier Metern Tiefe. Zudem habe die Drohne an einer anderen Stelle des Seegrundes in einem Radius von 20 Metern kreisförmig angeordnete Löcher registriert. "Vermutlich sind das Reste von Pfahlbauten", sagte Meller. Auch die Wracks mehrerer versunkener Boote seien geortet worden.

Mit dem rund zwei Meter langen, torpedoförmigen Gefährt "Autonomous Underwater Vehicle" (AUV) ist der komplette Seegrund des Süßen Sees (Seegebiet Mansfelder Land) innerhalb von zwei Tagen vollautomatisch, elektronisch erfasst worden. "Die Sensoren sammelten Daten für die Erstellung einer detaillierten Karte des Seegrundes", sagte Meller. "Mit dieser Technik stößt die Unterwasserarchäologie in Deutschland in völlig neue Dimensionen vor."

Das Ostende des Süßen Sees war in der späten Bronzezeit bis in die frühe Eisenzeit vor rund 3000 bis 2600 Jahren dicht besiedelt. Außerdem liegen am südlichen Ufer drei ehemalige mittelalterliche Siedlungen aus dem 13./14. Jahrhundert.

Überreste einstiger Hafenanlagen

"Nach der Analyse des Bodens durch die Drohne sind auch Tauchgänge geplant. Dann kann anhand von Proben auch das Alter bestimmt werden", sagte Meller. Die Forscher hoffen auf Überreste einstiger Hafenanlagen, weitere Wracks versunkener Boote sowie Fischfanganlagen, Pfostenlöcher und Grubenstrukturen. Zudem könnten sich im Seeschlamm Objekte aus organischem Material, wie Holz und Leder, erhalten haben.

Der Süße See liegt etwa 20 Kilometer westlich von Halle. Er ist 4,9 Kilometer lang und maximal knapp einen Kilometer breit. Die maximale Tiefe beträgt sieben Meter. Der Seegrund wird von Sedimenten mit einer Stärke von teilweise mehr als 8 Metern bedeckt, davon sind vier Meter aufgrund von Einschwemmungen in den letzten 4000 Jahren entstanden.

An dem Pilotprojekt beteiligen sich das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt in Kooperation mit der Atlas Elektronik GmbH (Bremen), der Wasserrettungsdienst Halle (Saale, das Fraunhofer-Institut für Optronik, die Systemtechnik und Bildauswertung IOSB, Institutsteil Angewandte Systemtechnik (AST) Ilmenau, die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft und Hochwasserschutz Sachsen-Anhalt.