Magdeburg l Wilder Wein verhüllt fasst vollständig das Haus von Uwe Albert in Ottersleben. Nur die Fenster sind ausgespart und bieten dem Neugierigen einen Blick auf Bücher mit Holzeinbänden, auf Installationen, Gemälde, Aquarelle. Nebenan in der einstigen Backstube hängen seine neuesten Arbeiten an der Wand. Frauen und Männer in Öl auf Leinwand. Albert entdeckt im Moment wieder verstärkt das Figürliche. Auch in seinem Atelier, über schmale Holztreppen im Dachgeschoss zu erreichen, Gesichter über Gesichter. Mädchen, eine alte Dame und vor allem jede Menge Indianer.

Keiner sitzt bei ihm Modell. Natürlich auch nicht die Indianer. Vielmehr habe deren Lebensweise Uwe Albert zu all den Arbeiten auf Zeitungspapier inspiriert. In Alttempera erfindet er Gesichter von Menschen, die der Natur verbunden sind.

Ja, die Natur. Wenn man sich mit Albert unterhält, ist sie immer da. Seit früher Jugend hat er eine große Nähe zu Landschaft, zu Bäumen, zu Tieren. Während ihm seine Katze um die Beine schnurrt, zeigt der Magdeburger Aquarelle mit Bördelandschaften und der Elbe, seine Bücher mit eigens erschaffenen Bildern und Texten zu Himmel, Erde, Heimat. Die Buchumschläge sind aus gefundenem Holz. Für Albert bleiben es Symbole des Lebens.

Bilder

Überall ausrangierte Skulls

Früher, als er noch oft im Ruderboot saß, habe er sogleich gemalt. Alles sofort malerisch aufgesogen. „Ich bin eins mit draußen“, sagt er und die Ruderei liege ihm natürlich noch am Herzen, keine Regatten mehr, aber die Fahrt in Stille mache immer noch den Kopf frei. In seinem Haus sind überall ausrangierte Skulls verarbeitet – selbst sein Stuhl im Atelier besteht aus einstigem Rudergerät.

Ein Leben ohne Kunst kann sich der 1959 in Zerbst geborene Uwe Albert nicht vorstellen. Dabei fand er erst nach dem Studium zu Malerei und Grafik. Albert ist Diplomkybernetiker, arbeitete einige Jahre als Forschungsingenieur. „Die Kunst hat sich durchgesetzt“, sagt der Autodidakt rückblickend, der sein Rüstzeug unter anderem im privaten Unterricht bei Günter Glombitza erhielt. Der habe ihm einst auf den Weg mitgegeben: Wer die menschliche Figur beherrsche, der könne auch alles andere.

Figürliches und Landschaften gibt es bei Albert in unstetem Wechsel. Einem bestimmten Stil, so sagt er, sei er nie treu geblieben. Immer wieder reizen ihn Installationen. Seine Geflügelte Dampframme beispielsweise nennt Albert ein Fabelwesen der Spätmoderne. Der Künstler spricht von Zwiespältigkeit. Sein erschaffenes Objekt könne Schöpfer und Zerstörer, Helfer und Schadenbringer sein. Oder sein Singender Baumstamm, der sich an zwei Stellen öffnen lässt und einen modernen Aberglaubentext freigibt.

Sympathie für Spinnentier

Baum und Rinde nutzt Albert auch immer wieder für seine Bücher, die er selbst künstlerisch gestaltet, druckt und mit dem Faden aufwendig bindet. Für seine Buchobjekte hat er eine Edition gegründet. Weberknecht heißt sie – seine Art der Sympathiebekundung für das keineswegs von jedermann geschätzte langbeinige Spinnentier.

Seine Katze liegt zu seinen Füßen. Stille im Atelier. Uwe Albert schaut aus dem Fenster auf einen Baum voller Birnen. Die Sonne lacht durch die Oberfenster. Dann erzählt er in seinem ruhigen Ton, dass er darauf achtet, im Jetzt zu leben. „Das Jetzt ist wichtig“, sagt er. „Jetzt entscheidet sich, welche Welt wir unseren Kindern überlassen.“ Sein neuestes Ölgemälde, das eine junge, rauchende Frau zeigt, einen Funkturm und brennende Landschaft, trägt den Titel „Jetzt“. So nennt Uwe Albert auch seine neueste Ausstellung, die er am 8. September eröffnen wird.

Ausstellung „Jetzt“ mit Bildern, Büchern, Apparaten von Uwe Albert, 8. September bis 7. Oktober, Galerie Kunstwerkstatt Magdeburg-Buckau, Schönebecker Straße 25.