Magdeburg l Zweifellos ist die Schau opulent. Aus dem Nachlass des einstigen Schülers der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule Magdeburg konnten die Ausstellungsmacher auswählen. Der Fundus, der sich ihnen öffnete, bot mehr als nur einen Überblick über das Gesamtschaffen. Kurator Norbert Eisold zeigt sich glücklich darüber, dass die in der Elbestadt entstandenen Studienmappen dort komplett erhalten blieben. Nun sind sie mit anderen Blättern für kurze Zeit an ihren Entstehungsort zurückgekehrt, belegen, wie die Ausbildung in einem Zeitabschnitt an der 1963 nach 170-jährigem Bestehen geschlossenen Einrichtung verlief.

Willi Eidenbenz studierte nach zwei Semestern an der Kunstgewerbeschule Zürich von Ende 1929 bis Anfang 1933 in Magdeburg. Zu dieser Zeit lehrte dort dessen Bruder Hermann Schrift und Grafik. Zwar mögen diese persönlichen Gründe eine Rolle für den Wechsel gespielt haben, aber entscheidend sei der gute Ruf des Hauses gewesen, sagt Eisold.

Forum Gestaltung

Nach Werkschauen zu Konrad Hoffmeister, Horst Bartnig und Rolf Kuhrt widmet sich das Forum Gestaltung ein weiteres Mal dem Schaffen eines Künstlers, der in Magdeburg seine berufliche Laufbahn begann und dessen Arbeit später national sowie international Bedeutung erlangte.

Bilder

An der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule wirkte seit 1925 als Leiter Wilhelm Deffke, der heute als „Pionier des modernen Logos“ gilt. Die angewandte Moderne prägte die Ausbildung, das Lehrkonzept gilt bis in die Gegenwart als fortschrittlich. Die Studienarbeiten von Willi Eidenbenz spiegeln den Geist jener Zeit wider. Moderne Gestaltung stand im Mittelpunkt der Lehre, die auf den akribisch vermittelten Grundlagen des gestalterischen Herangehens fußte. Zahlreiche Fotos, Skizzen und Collagen belegen das. Sie dokumentieren Fleiß und Willen, sich auf das spätere selbstständige Arbeiten vorzubereiten.

Die Lehre an der Praxis

Ein Beleg für die praktische Anwendung der erworbenen Kenntnisse steht im Mittelpunkt der Exposition. Das Forum Gestaltung ließ in Anlehnung an das so genannte Magdeburger Quadrat, dass ursprünglich als Faltübungen für die Eleven diente, einen Schautisch anfertigen. Im Großformat belegt der, wie sehr sich die Lehre an der Praxis orientierte und trotzdem Raum für eigenes Herangehen ließ. Grundfertigkeiten entstanden, die den Absolventen der Schule niemand nehmen konnte.

Willi Eidenbenz griff auf solche Kenntnisse zurück, wenn im gemeinsamen Atelier, das er mit seinen Brüdern Hermann und Reinhold in Basel ab 1933 betrieb, beispielsweise Messestände entwickelte. Kurator Eisold schätzt ein, dass eine Stilrichtung, die heute unter der Marke Swiss Style firmiert, von diesem Atelier maßgeblich mitgeprägt wurde. Es sei eines der ersten Unternehmen gewesen, das Grafikdesign, Fotografie und Messebau unter einem Dach vereinte.

Spannender Bilderbogen

Diese Vielfalt zeigt sich im Œuvre von Wille Eidenbenz. In der Ausstellungshalle des Forums Gestaltung entfaltet sich ein spannender Bilderbogen. Der reicht von den ersten studentischen Arbeiten bis hin zu den Plakaten und freien Arbeiten des gestandenen Grafikers. Die Vielfalt zieht den Betrachter in ihren Bann. Da sind beeindruckende Übungen zur Typografie, skizzenhafte Studien zum menschlichen Körper, Fotografien und eine Reihe geometrischer Experimente, die einen Mann prägten, der sich der Moderne verpflichtet fühlte. Die avantgardistische Synthese von Fotomontage und Werbegrafik sind für ihn typisch.

Die Arbeiten von Willi Eidenbenz werden bis zum 8. Juli im Forum Gestaltung, Brandenburger Straße 10 in Magdeburg gezeigt, Mittwoch bis Sonntag, 14 bis 18 Uhr.