Magdeburg l Die zwei Männer sind Marcello Mastroianni und Federico Fellini. In "8 ½" verarbeitet Fellini seine erste große Sinnkrise. Er ist ein Regiestar, der auf Welterfolge wie das Melodram "La Strada" und die Gesellschaftssatire "La dolce vita" zurückblicken kann, aber nun in einer künstlerischen Sackgasse steckt. Viel höher kann es für ihn nicht mehr gehen, aber Produzenten wie Carlo Ponti bedrängen ihn nach neuen Erfolgsprodukten. Doch dann entsteht die Idee zum Film im Film.

Den zaudernden, unsicheren Filmregisseur gibt Marcello Mastroianni. Auf Ronalds Fotos sieht man ihn auf der Höhe seiner Attraktivität, kein Schönling Hollywoods, kein Latin Lover, sondern ein gutaussehender, norditalienischer Intellektueller. Wer den Film kennt, weiß, dass Mastroianni seine Figur mehr durchdrungen hatte, als es heutzutage üblich ist. "Diderots Paradoxe besteht im Wesentlichen darin: Gefühle beschränken einen Schauspieler, lassen ihn zumindest mittelmäßig werden", schreibt Mastroianni in seiner Biographie "Ja, ich erinnere mich".

Fellini selbst erscheint auf vielen Aufnahmen der Ausstellung gelöst, man sieht ihm an, dass ihm längst bewusst ist, dass an diesem Set sein größtes Werk entstehen wird: Es wird bis heute zu den stilbildenden Filmen der Kinogeschichte gezählt. Vordergründig berichten Rolands Fotos von der engen Beziehung zwischen dem Schauspieler und dem Regisseur, die spätestens bei diesem Projekt über die reine Arbeitsfreundschaft hinausging.

Eine Freundschaft entsteht

"Marcello und ich sehen uns kaum. Außer natürlich, wenn wir miteinander drehen. Vielleicht ist auch das einer der Gründe für unsere Freundschaft: eine Freundschaft, die keine Ansprüche stellt, keine Verpflichtungen kennt, keine Bedingungen stellt, keine Regeln, keine Grenzen festlegt. Eine wahre, schöne Freundschaft, die auf einem totalen gegenseitigen Misstrauen beruht", äußerte sich Fellini in ehrlich-ironischer Art, die für ihn nicht untypisch war. Dass Paul Roland (1924–2015) einer der Meister der Filmfotografie war, steht außer Frage. An den künstlerischen Bekanntheitsgrad der Porträtierten reichte er aber nie heran. Filmfotografen bleiben freilich immer im Schatten einer Produktion. Sie sind in erster Linie verantwortlich für optisch attraktive Werbefotos, die wiederum oft Filmszenen sind, für die letztlich Darsteller, Regie und Kamera verantwortlich sind.

Die an sich interessanteren Aufnahmen vom Set, von den Schauspielern und der Crew, erhalten oft erst dann eine künstlerische Bedeutung, wenn Film, Besetzung und nicht zuletzt der Regisseur zur Legende geworden sind.

Roland hatte Glück: Er arbeitete neben Fellini auch mit Jean Delannoy, Ettore Scola, Franco Zeffirelli. Rolands Aufnahmen sind als Vintage-Abzüge im Kunsthandel eine Größe. Seine Bilder zu "8 ½" gehen gleichermaßen durch kommerzielle wie öffentliche Galerien.

Wichtige Akteure fehlen

Nur einige Fotos der Exposition im Moritzhof sind der weiteren Besetzung des Films gewidmet. Hier sticht vor allem eine Aufnahme der wunderbaren Anouk Aimée heraus, die in "8 ½" die Ehefrau des untreuen Regisseurs spielt. Warum von ihr ein farbiger Abzug gewählt ist, erschließt sich nicht. Dass die junge Claudia Cardinale fehlt, die hier in eine Weltkarriere einsteigt, verwundert.

Wer den Film nicht kennt, wird ihn nach dem Besuch der starken Ausstellung vermutlich sehen wollen. Wer den Streifen kennt, wird sich erinnern und nachdenken, in welcher Vergangenheit das gewesen sein könnte. Mastroianni fasste diesen Effekt in seinen Erinnerungen in einem Satz zusammen: "Bestimmte Illusionen sind stärker als die Wirklichkeit."

Paul Ronald: Fellinis Film "8 ½"; Moritzhof Magdeburg, Fotogalerie; bis 22. November 2020, täglich 16 bis 20 Uhr, Eintritt frei.