Magdeburg l Als im Kunstmuseum Moritzburg Halle die Ausstellung „Comeback“ am 12. Januar ihre Türen schloss, ging einen Tag später die Pressemitteilung mit der Besucherzahl an die Medien: 47  000 Gäste. Das konnte sich wahrlich sehen lassen für eine Schau über nur drei Monate und ein paar Tage im Januar.

Im Kulturhistorischen Museum der Landeshauptstadt lief parallel, aber einige Wochen länger als in Halle, die Mittelalterausstellung „Faszination Stadt“, eine der wichtigen Ausstellungen nicht nur in Magdeburg, sondern landesweit. Besucherzahlen aber, die diese Woche vorliegen sollten, sind Fehlanzeige. Das Museum mauert. Nicht einmal auf mehrfache schriftliche Nachfrage gibt es eine Gästezahl für jene Ausstellung, in die das Haus jede Menge Kraft und Zeit investiert hat. Und so bleibt nur ein Mutmaßen. Einen Erfolg jedenfalls hätte das Haus verkauft.

Millionenschweres Großprojekt

Am 7. Januar noch hatte der renommierte Historiker und Journalist Götz Aly in seiner Kolumne in der Berliner Zeitung für eine Kurzreise nach Magdeburg geworben, um die „sensationelle Ausstellung“ zu besuchen. Er begründete seinen Tipp mit dem kulturhistorischen Blick von Magdeburg Richtung Osten: „Seit dem späten 12. Jahrhundert verbreitete sich das hier kodifizierte städtische Zivil-, Straf- und Verfahrensrecht in Hunderten Städten Ostmitteleuropas und Südosteuropas.“

Das Magdeburger Recht in einer großen Ausstellung zu thematisieren, war ein langgehegter Wunsch am städtischen Haus. Die Vorlaufzeit betrug Jahre. Wissenschaftliche Tagungen, Workshops, Recherchereisen, die Zusammenarbeit in einem internationalen Forschernetzwerk, all das kostete Zeit. Und Geld.

3,4 Millionen Euro wurde im Juli 2019 als Budget für die Schau genannt. Zur Ausstellungseröffnung Ende August war das Gesamtbudget mit „zirka 3 Millionen Euro“ angegeben. Eine stattliche Summe. Zahlreiche Stiftungen, die Stadt Magdeburg, das Land, der Bund gaben Geld. Und der Bundespräsident übernahm des internationalen Themas wegen die Schirmherrschaft.

Museumschefin Gabriele Köster sprach im vergangenen Sommer von einem „weiteren Großprojekt“ am Kulturhistorischen Museum, das sich einreihe in die herausragenden Mittelalterausstellungen des Hauses. Das hatte sich damit in den 2000er Jahren weit über die Region hinaus einen Namen gemacht. Zu ersten großen Otto-Ausstellung 2001 erlebte das städtische Museum ein Überrennen. Mehr als 300 .000 Besucher kamen damals, zur zweiten Mittelalterschau im Jahr 2006 auch noch 250.000 Gäste. Starke Zahlen.

Tickethäuschen bald wieder abgebaut

Die Anstehschlangen von damals kommen heute nicht einmal in kühnsten Wunschträumen auf. Das wäre auch wahrlich zu vermessen, keiner käme auf die Idee. Doch das Haus, auch wenn es vorab keine Prognose herausgab, erhoffte sich natürlich ein gutes Interesse. Ein Tickethäuschen wurde vor dem Museum aufgestellt – und bald wieder abgebaut.

Schon das gab einen Wink auf ausbleibende Gäste. Wer die Schau besuchte, sah sich an manchen Tagen mehr Aufsichtspersonal gegenüber als Gästen. Anfangs schreckte sicher auch der Eintrittspreis von 15 Euro (Kinder und Jugendliche bis 18 frei), der ungünstigerweise auch noch für das zum Haus gehörende Naturkundemuseum galt. Der Ärger schaffte es in den Stadtrat.

Die Museumsleitung reagierte, erst gab es ein Nachmittagsticket zum reduzierten Preis, dann galt das Acht-Euro-Nachmittagsticket ganztags. „Die Adventsaktion war ein voller Erfolg“, so das Museum in der Antwort auf die Volksstimme-Anfrage. Und weiter: das museumspädagogische Angebot sei sehr gut angenommen worden. Auch die Erwachsenenführungen seinen erfolgreich gewesen. Bei der Museumspädagogik habe man das Team deutlich aufgestockt. Schulen aus Magdeburg hätten den größten Teil der Schulgruppen ausgemacht. „Darüber hinaus waren Schulen aus dem ganzen Land bei uns ... Besonders erfolgreich war unser Programm bei Berliner Schulen.“ Keine einzige Zahl, auch nicht zur Herkunft von Einzelbesuchern. Die wurde „nicht explizit erfragt“. Selbst im Baumarkt wird die Postleitzahl des Kunden eingetippt.

Keine Mund-zu-Mund-Werbung

Ein ist ein Problem, dass die Mund-zu-Mund-Propaganda nicht funktionierte, dass jene Magdeburger und Touristen, die in der Schau waren, nicht weitervermittelten, dass große Geschichte mit wirklich herausragenden Exponaten zu sehen ist. Und ja, man kann einem FAZ-Beitrag mit Blick auf dessen Objekt-Lawine-Kritik zustimmen. 400 Exponate waren zu sehen, das forderte den Besucher. Weniger wäre wohl besser gewesen.

Die Schau ist zu Ende. Fragen bleiben – die nach den Besucherzahlen, auch die nach einem Vermarktungskonzept.