Magdeburg l Vom 29. Mai bis zum 3. Juni lädt Magdeburg zu den 10. Magdeburger Domfestspielen ein. Am 2. Juni – einen Tag nach seinem 82. Geburtstag – liest Peter Sodann die „Flüchtlingsgespräche“ von Bertolt Brecht im Dom. Manuela Bock sprach mit dem Schauspieler, Regisseur und Gründer einer Bibliothek.

Sie feiern am 1. Juni Ihren Geburtstag und sind einen Tag später im Magdeburger Dom zu Gast – ist das für Sie ein nachträgliches Geschenk?

Peter Sodann: Das war eher ein Zufall. Aber es ist natürlich schön, so ein Programm im Magdeburger Dom geben zu können. Ich kenne ja Magdeburg schon lange, besonders aus meiner Zeit als Schauspieldirektor an die Städtischen Bühnen. Ich freue mich auf das Programm bei Ihnen und auf alle, die sich für die Texte interessieren.

Für Ihre Lesung greifen Sie auf die „Flüchtlingsgespräche“ von Brecht zurück: Warum haben Sie gerade diesen Text ausgewählt?

Als Theaterschauspieler und Regisseur habe ich oft mit Brecht zu tun gehabt. Da liegt es nahe, dass ich auch bei meinen Lesungen auf seine Texte zurückgreife. Zudem bergen die „Flüchtlingsgespräche“, die in den frühen 1940er Jahren entstanden sind, eine gewisse Zeitlosigkeit. Viele Kernbotschaften sind heute wieder sehr aktuell.

Sie haben sich stets auch immer politisch eingemischt. Wenn Sie heute solche Textzeilen rezitieren – was lesen Sie da zwischen den Zeilen?

Wenn sich der Intellektuelle Ziffel und der Arbeiter Kalle in Helsinki treffen, die beide aus Deutschland vertrieben wurden, und fern der Heimat subversive und pointierte Dialoge führen, ist das an sich schon lesens- und hörenswert. Sie reden über die internationale Lage, die eigene Situation und die Machtverhältnisse in ihrem Exil. Angesichts der heutigen Flüchtlingsströme haben die Zeilen nichts an Aktualität eingebüßt. Wir alle können also vieles über die heutige Lage ablesen. Leider tendieren viele Menschen ja nicht gerade zur Ausländerfreundlichkeit.

Es heißt im Buch aus dem Nachlass Brechts, dass „Eigenheiten des Sprachgebrauchs und der Interpunktion beibehalten“ worden sind. Wie gehen Sie beim Vorlesen damit um?

Ich rezitiere Texte einfach so, wie ich sie zu Gehör bringen möchte. Das geht auch hierbei.

Und wie bringen Sie beim Rezitieren Ihre eigene „Note“ hinein?

Den Ton der Brecht-Gedanken zu treffen, genügt bei den „Flüchtlingsgesprächen“.

Der Dom, Brecht – das kann Menschen, die sonst eher wenig mit Kultur zu tun haben, zunächst abschrecken. Warum sollten sie trotzdem zuhören?

Keiner sollte sich abschrecken lassen. Gerade heutzutage ist es wichtig, auch mal zuzuhören, in sich zu gehen und im besten Fall, sein eigenes Tun zu hinterfragen. Brecht wollte ja nie einschüchtern sondern, genau im Gegenteil, aufrütteln.

Während wir sprechen, sitzen Sie in Ihrer Bibliothek, nahe Riesa. Für alle, die es nicht wissen, warum haben Sie eine eigene Bibliothek? Warum sammeln Sie Bücher?

Diese Bibliothek ist ein Herzensprojekt. Wir widmen uns hier dem literarischen Erbe der DDR. Ich habe mir mal gesagt: Da wirft man dein Leben weg. Und wenn man Bücher wegwirft, dann weiß man ja, was daraus werden kann. Hier hat alles einen Platz, was in der DDR erschienen ist, oder über oder unter dem Ladentisch verkauft wurde, was gedruckt wurde. Wir haben 2012 die Bibliothek in Staucha eröffnet und seitdem kommen Bücherspenden zu uns. Ein Grund dafür ist wohl, dass jetzt viele Ältere sterben, die noch in der DDR gelebt haben und ihre Bücher vererben. Oft könnten Kinder und Enkel nur wenig damit anfangen – und dann landen sie bei uns. Wir sammeln, bergen und präsentieren diese Literatur. Letztlich sind wir auch Bewahrer in dieser schnelllebigen Zeit.

Sie werden am 2. Juni im Magdeburger Dom mit Musiker Michael Letz den Abend gestalten – einem Künstler-Partner, mit dem Sie häufig zusammenarbeiten. Warum gerade mit ihm?

Wir sind in einem guten Einklang. Es passt einfach, wenn wir zusammen Literatur und Musik verbinden.

Kartenvorverkauf: Online, biber ticket-Hotline: 0391/5999-700 und bei allen biber ticket-Verkaufsstellen.