Leipzig (dpa) l Hunderttausend Bücher, Zehntausende Neuerscheinungen, Tausende Veranstaltungen, prominente Autoren und Debütanten – die Leipziger Buchmesse ist vier Tage lang das Mekka für Literaturfans. Die Besucher werden vom 15. bis 18. März auf eine literarische Weltreise geschickt. Aber vor allem steht der Leipziger Bücherfrühling im Zeichen politisch brisanter Themen weltweit. „Selten wurden die Debatten in Deutschland um Politik so hitzig geführt wie in den letzten Jahren“, sagt Buchmessedirektor Oliver Zille. Das sei auch gut so, schließlich bestimme die Politik „nicht nur unser Lesen, Lernen und Leben, auch wir bestimmen die Politik“.

So stellt die Messe die europäischen Werte auf den Prüfstand. Sind wir wirklich die Besten? Unter dieser Überschrift lädt Kurator Mohamed Amjahid internationale Gäste aus Zivilgesellschaft, Kultur, Wissenschaft und Medien ein, über die europäische Vergangenheit zu reflektieren, über Gegenwart zu streiten und Ideen für die Zukunft des Kontinents zu entwickeln.

Zudem tauchen Messebesucher in die aktuelle amerikanische Gesellschaft ein, verfolgen eine ungeschminkte Abrechnung mit der russischen Nachwendegeschichte und erhalten Einblicke von Autoren, die mit der türkischen Staatsgewalt aneinandergeraten sind.

Sebastian Fitzek liest

Politik und Gesellschaftskritik sind aber nur zwei Aspekte auf der Buchmesse. Krimis, Kochbücher, historische Romane und Porträts, für jeden Buchfan ist etwas dabei. Und auch Promi-Fans kommen auf ihre Kosten: Unter anderen lesen Sebastian Fitzek, Arno Geiger, Bernhard Schlink, Fabian Kahl und Gregor Gysi aus ihren neuen Büchern.

Zu den Höhepunkten des Branchentreffs zählt die Verleihung des renommierten Preises der Leipziger Buchmesse. In der Sparte Belletristik sind Isabel Fargo Cole („Die grüne Grenze“), Anja Kampmann („Wie hoch die Wasser steigen“), Esther Kinsky („Hain: Geländeroman“), Georg Klein („Miakro“) und Matthias Senkel („Dunkle Zahlen“) nominiert. Außerdem gibt es Auszeichnungen in den Kategorien Sachbuch/Essayistik und Übersetzungen. Den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2018 erhält die norwegische Autorin Åsne Seierstad für ihr Buch über den norwegischen Massenmörder Anders Breivik.

Rechte Verlage stellen aus

Brisanz steckt in diesem Jahr besonders in dem Auftritt rechter Verlage auf der Buchmesse. Auf der Frankfurter Buchmesse hatte dies im vergangenen Herbst viel Ärger und Protest ausgelöst. Auch in Leipzig sind Aussteller wie Compact seit Jahren vertreten. Diese Verlage haben nach Ansicht von Messedirektor Zille das gleiche Recht auszustellen wie andere Kunden auch, so lange ihre Publikationen sich im Rahmen der Gesetze bewegten.

Die Buchmesse trete aufgrund ihres Statuts für die Meinungs-, Presse und Kunstfreiheit ein. "Der kommunikative Aufschwung der rechten Szene ist ein gesellschaftliches Phänomen. Wir sind einer der wenigen analogen Orte, wo eine Auseinandersetzung mit Rechts stattfinden kann“, betont Zille. Die Messe stehe für Offenheit, Vielfalt und Austausch.

Manga-Comic-Con

Bunt und schrill wird es auf der Manga-Comic-Con. Zu Tausenden strömen die Fans in oft selbstentworfenen farbenfrohen Kostümen auf das Messegelände. Die Mangaanhänger können ihren Idolen Toyotarou, Mika Yamamori und Osora über die Schulter schauen, für die europäischen Comic-Kollegen sind Goran Sudzuka, Mirka Andolfo und Miguel Diaz Vizoso ein Muss.

Zahlen rund um die Buchmesse

  • Vom 15. bis 18. März werden auf der Leipziger Buchmesse weit mehr als 250.000 Besucher erwartet. Die Messe wendet sich an Fachbesucher und Publikum.
  • Rund 2600 aus 48 Ländern präsentieren sich.
  • 106.000 Quadratmeter sind in den Hallen sowie im Congress Center Leipzig belegt.
  • 3600 Veranstaltungen soll es geben. 
  • Etwa 3400 Menschen wirken an der Messe mit.
  • Circa 100.000 Bücher werden präsentiert.
  • Geöffnet ist die Messe täglich von 10 bis 18 Uhr.
  • Tageskarten kosten 19 Euro, ermäßigt sind sie für 15,50 Euro zu haben. Ermäßigung erhalten Studenten, Schüler, Auszubildende, Wehr- und Zivildienstleistende sowie Rentner und Arbeitslose. Dauerkarten kosten 37,50 Euro. Fachbesucher zahlen für die Tageskarte 16 Euro, für die Dauerkarte 29 Euro Freien Eintritt haben Kinder unter sechs Jahre.