Magdeburg l Paare stehen im Mittelpunkt und sind das Motto der Literaturwochen. Ute Berger, die Leiterin des veranstaltenden Literaturhauses Magdeburg, sprach gestern bei der Vorstellung des Programms vom „Paargedanken in allen Facetten“ – von literarischen Paaren bis hin zu komplizierten, schrägen, gut funktionierenden Beziehungen. Während die Ausstellung um Sherlock Holmes und Dr. Watson, das berühmte Paar der Weltliteratur, bereits seit einigen Wochen zu sehen ist, fällt der eigentliche Startschuss für die Literaturwochen am 29. August. Dann wird das Theater Poetenpack von der Liebe zwischen Rainer Maria Rilke und Lou Andreas-Salomé erzählen.

Gelesen wird beim sechswöchigen Fest rund ums Buch aus dem bislang unveröffenlichten Briefwechsel des prominenten DDR-Schriftsteller-Ehepaares Eva und Erwin Strittmatter, aus Briefen von Kult-Autorin Brigitte Reimann an ihre Geschwister, aus dem Ehebriefwechsel zwischen Emilie und Theodor Fontane. Zu dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr gibt es zudem einen Lieder- und Geschichtenabend über die ungewöhnlich emanzipierte Frau an der Seite des Dichters. Den Briefen eine Stimme geben unter anderem Carmen-Maja und Jennipher Antoni, Angelika Neutschel und Erwin Berner, der älteste Sohn der Strittmattters.

Paare sehr unterschiedlicher Art sind immer wieder Protagonisten in Romanen. April, die Hauptfigur in Angelika Klüssendorfs Trilogie-Abschluss „Jahre später“ durchlebt eine problematische Ehe (Lesung: 12. September). Der aus München stammende Autor Michael Kumpfmüller lässt Mann und Frau, die sich nur flüchtig kennen, durch die USA reisen. „Tage mit Ora“, so meint der Verlag Kiepenheuer & Witsch, erzähle von einem der wunderbarsten schrägen Paare der neueren deutschen Literatur. Kumpfmüller ist am 10. Oktober zu Gast. Einen Tag später steht das einstige TV-Kommissare-Duo Jaecki Schwarz und Wolfgang Winkler mit dem Buch „Mit dir möchte ich nicht verheiratet sein“ frotzelnderweise auf der Lesebühne.

Bei der Berliner Autorin Katja Oskamp setzt das Literaturhaus auf Fuß-Paare. Oskamp hat sich aufgrund einer Schreibkrise zur Fußpflegerin ausbilden lassen, hört jede Menge Lebensgeschichten von ihrer Kundschaft und hat einige nun in ihrem druckfrisch vorliegenden Buch „Marzahn mon Amour“ veröffentlicht (Lesung: 25. September).

Ganz neu auf dem Markt ist auch Peter Wawerzineks „Liebestölpel“, in dem der ehemalige Stadtschreiber von Magdeburg, wie der Buchtitel schon suggeriert, mit der widerspenstigen Sache namens Liebe klarzukommen versucht. Wawerzinek liest am 9. Oktober in Magdeburg.

Traditionell sind die Literaturwochen auch Bühne für regionale Literaten. Der 22-jährige Autor und Slam-Poet Aron Boks ist zum Beispiel geladen, Torsten Olle und Guido Käpernick, die Autorengruppe „Schreibkräfte“, die sich Gedanken zum Motto „Paare“ gemacht hat. Zudem verabschiedet sich - auch eine Tradition – der aktuelle Stadtschreiber. Nele Heyse hält ihre Abschlusslesung. Ihr entstandenes Manuskript erzählt passenderweise die Geschichte eines Paares.

Alle Veranstaltungen zu den Literaturwochen, die an verschiedenen Orten in Magdeburg stattfinden, unter www.literaturhaus-magdeburg.de