Magdeburg l Friedrich Bödecker war in Niedersachsen Dorflehrer. Er lud Kinderbuchautoren in die Schule ein. Er baute Schulbibliotheken auf. Literarische Bildung war für ihn das A und O. Der Pädagoge starb 1954. In der Literaturszene ist sein Name bis heute ein Begriff. Er ist untrennbar mit der Leseförderung von Kindern und Jugendlichen, ebenso mit Literaturförderung von Autoren verbunden. Vor allem auch in Sachsen-Anhalt.

Dass hierzulande jahrelang im Namen Bödeckers geklotzt wurde, gerät seit Wochen völlig in den Hintergrund. Am 5. September ist eine außerordentliche Mitgliederversammlung anberaumt, die man eher als Krisensitzung überschreiben sollte. Schließlich geht es nach Kündigung des Geschäftsführers Jürgen Jankofsky durch den Vorstand, Rücktritt der Vorsitzenden Dorothea Iser und deren Strafanzeige gegen den zuvor geschassten hauptamtlichen Chef um Schadensbegrenzung. Irgendwie. Nur wie?

Anzeige von Iser gegen Jankofsky

Die Staatsanwaltschaft Magdeburg hat die Anzeige von Iser gegen Jankofsky bestätigt. Tatvorwurf: Untreue. Konkret geht es um 4090 Euro, die Jankofsky für die Übersetzung seines Buches „Anna Hood“ über den Verein abgerechnet haben soll. Iser will Klärung, sagte sie der Volksstimme. Im FBK haben Grabenkämpfe aber nicht erst mit der Strafanzeige begonnen.

Fronten sind nach wie vor verhärtet

Die Kündigung, anfangs ohne Begründung, hat etliche Literaten, Wissenschaftler und Verleger – nett ausgedrückt – auf die Palme gebracht. Ein Protestschreiben gab es, unterschrieben von 90 Leuten. Sie fühlten sich nicht eingebunden in die Entscheidung und kritisierten das Vorgehen.

Einer der Unterzeichner war Ludwig Schumann. Bis heute, so sagt der Literat, habe er das Prozedere nicht verstanden. Eine Beurlaubung des Geschäftsführers hätte gereicht. Er spricht von großer Enttäuschung, dass man es sich zu einfach gemacht habe, und einem großen Verlust für den Verband.

Schumann steht mit dieser Meinung keineswegs allein. Iser samt Vorstand aber auch nicht. Sie werfen Jankofsky Untreue, Betrug, Vorteilsnahme vor.

Jankofskys Verdienste unbestritten

Jankofsky gilt als großer Netzwerker und auch unbequemer Streiter. Seine Verdienste, das wird immer wieder von allen Seiten betont, sind unbestritten. 18 Jahre war er Geschäftsführer des Bödecker-Kreises. Im Jahr 2000 hatte er den Posten mit Dorothea Iser gewechselt. Sie war seitdem Vorsitzende.

Beide stemmten und organisierten mit dem Verein etliche Projekte wie Schulschreiber, Bücherfrühling, Lesekrone und „Oda - Ort der Augen“, die Literaturzeitschrift Sachsen-Anhalts. Alles läuft über den FBK. Dem Verein hatte das Land schon 1994 die Literaturförderung übertragen. Es gibt Geld dafür. In diesem Jahr, so das Ministerium für Kultur, 220 .000 Euro institutionelle Förderung.

Zudem sind vom Land finanziell unterstützte Projekte für einige Schriftsteller eine zusätzliche Einkommensquelle. Das schafft auch Abhängigkeiten und begründet so manche Zurückhaltung, sich öffentlich zu den Vorgängen im FBK zu äußern. Man hört aber, so mancher sehe dort keine Heimat mehr.

Die Fronten sind verhärtet, die Gräben so tief, dass das Wort Krieg immer mal wieder auftaucht.

Ministerium will keine Kürzungen

Der Landesverband der Schriftsteller hat sich jüngst in einem internen Schreiben an seine Mitglieder gewandt. Ein Statement der Volksstimme gegenüber gibt es nicht. „Wir möchten uns nicht öffentlich in die interne Angelegenheit des FBK einmischen“, erklärt die Vorsitzende Renate Sattler. Bödecker-Bundesverbandsgeschäftsführer Karsten Steinmetz aus Magdeburg hat sich zur Frage, wie es denn weitergehen kann im Land, mit dem Vorstand in Verbindung gesetzt. Eine Antwort gibt es bis dato nicht.

Jeder in der Branche weiß: Der Imageschaden ist bereits riesig. Das Ministerium für Kultur hält sich in einer Einschätzung zurück. „Die weitere Entwicklung der Arbeit des FBK wird seitens des Landes sehr genau verfolgt“, heißt es lediglich. Immerhin bestätigt es der Volksstimme auf Nachfrage, dass es gegenwärtig „keine Überlegungen und keinen Anlass“ zu Kürzungen der Fördersumme gebe.

Die teils bis Dezember laufenden Projekte sollen weitergeführt werden – Schreibrunden, Wettbewerbe, Schulschreiber-Projekte. Der Förderverein der Schriftsteller, der sich in einem Schreiben sorgenvoll an Kulturminister Rainer Ro­bra und Staatssekretär Gunnar Schellenberger (beide CDU) gewandt hatte, bot Hilfe an – „trotz der schwierigen Situation, alle Projekte absichern zu können“.

Dennoch treibt so manchen Autor mit Blick auf 2019 der Zeitdruck um. Die Antragsfrist für Projekte endet Ende des nächsten Monats. Staatssekretär Schellenberger versucht, Dampf vom Kessel zu nehmen: Man nehme Rücksicht auf die Situation, und gebe zeitlichen Aufschub.

Im Moment ist der Vorstand um Diana Kokot und Dirk Bierbaß in der Verantwortung. Eine Neuwahl steht bei der Mitgliederversammlung Anfang September nicht auf dem Plan. Das wäre auch nicht ratsam, ist aus dem FBK zu hören. Der Verein dürfe nicht weiter zerbröseln.