Die Premieren der neuen Spielzeit

13. Oktober: Uraufführung „König Kolossal“ von Nis S�gaard nach Mitsumasa Anno, für Menschen ab 4 Jahren

23. November: Premiere „Der Räuber Hotzenplotz“ von Leonard Schubert nach Otfried Preußler, ab 4

22. Februar 2020: Uraufführung „Gummienten ahoi!“ von Agnès Limbos, ab 4

22. März: Premiere „Die Katze, die tut, was sie will“, eine Schöpfungsgeschichte von Horst Hawemann, für Menschen ab 5

8. Mai: „Schonzeit“ von Andreas Jungwirth, Konzept: Nis S�gaard, ab 16

9. Juli: Hofspektakel „Ein Spätsommernachtstraum“ nach William Shakespeare.

Magdeburg l „Wir spielen für Sie!“ steht in fetten Lettern auf der Homepage des Puppentheaters. Ja, was denn sonst, könnte man meinen. Schließlich hat das Puppentheater gerade seine 60. Spielzeit hinter sich, in der die städtische Einrichtung – immer noch voller Stolz – von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) mit dem Theaterpreis des Bundes geehrt wurde.

Puppentheater schwer zu erreichen

Doch wer vor der Sommerpause zu Besuch im Hause war, der weiß, was gemeint ist. Vor der Tür regieren Baufahrzeuge. Die Straße ist für eine neue Straßenbahntrasse aufgebuddelt und gesperrt, der Fußweg hin zur Kultureinrichtung gleicht eher einem Provisorium. 90 Prozent Auslastung, verkündet Intendant Michael Kempchen bei der  Spielzeit-Pressekonferenz. Eigentlich hat er alljährlich Traumzahlen knapp unter der 100-Prozent-Marke parat. Doch das erschwerte Hinkommen, die höchst begrenzten Parkmöglichkeiten lassen Gäste wegbleiben. 50.300 waren es in der abgelaufenen Spielzeit.

Seit Monaten fährt kein Auto mehr vorbei. „Wir sind aus dem Erscheinungsbild der Stadt verschwunden“, sagt der Intendant. Bis Juni 2020, so ist es veranschlagt, sollen die Arbeiten andauern. Keiner weiß heute, ob der Termin überhaupt gehalten werden kann? Kempchen wollte wegen der katastrophalen Erreichbarkeit sogar das Internationale Figurentheaterfestival in eben jenem Juni-Monat absagen. Frank Bernhardt, seit 2001 für die künstlerische Ausrichtung des Hauses zuständig, wollte das bei Besuchern beliebte Festival nicht sang- und klanglos streichen. „Es findet statt“, unterstreicht Bernhardt. Der Termin steht: 20. bis 26. Juni 2020. Für die inhaltliche Gestaltung ist der Künstlerische Leiter bereits in der kommenden Woche auf Reisen.

Während das Festival-Programm erst kuratiert wird, stehen die Stücke der neuen Spielzeit fest. Sechs Premieren wird es geben, davon zwei Uraufführungen, hinzu kommen zwei Premieren im sogenannten kleinen Format in der Figurenspielsammlung Villa P.

Zur ersten Premiere wird am 13. Oktober geladen. „König Kolossal“ ist eine Inszenierung von Nis Sögaard, der 2003 am Haus als Puppenspieler begonnen hatte und heute in der Branche gefragter Regisseur ist. Auch „Schonzeit“ von Andreas Jungwirth, das Stück wird im Mai 2020 Premiere haben, wird Sögaards Handschrift tragen. Laut Bernhardt konnte für diese Inszenierung der dänische Comiczeichner Simon Bukhave gewonnen werden, der verantwortlich zeichnet für die Puppenfigurinen.

Auf solche internationalen Gäste mit anderen Sichtweisen legen Kempchen und Bernhardt auch außerhalb des Figurentheaterfestivals immer stärker Wert. Agnès Limbos wird „Gummienten ahoi!“ als Uraufführung im Februar inszenieren. Bernhardt nennt die Brüsselerin die Grande Dame des Objekttheaters. Ausgangspunkt ihrer Inszenierung sind Plastikenten, die vor etlichen Jahren per Schiff in einem Container transportiert und von einem Sturm ins Meer gerissen wurden. Seitdem treiben sie in ferne Länder. Der Künstlerin wird zudem die Sonderausstellung im März gewidmet. „Wir werden Objekte zeigen, die ihre Arbeit in vier Jahrzehnten ausmachten“, kündigt Bernhardt an. Eine weitere Sonderausstellung öffnet bereits am 26. September und widmet sich dem Bauhäusler Paul Klee.

Nach 60 Dienstjahren „Das erste Mal“

Überschrieben ist die neue Spielzeit mit dem Motto „Das erste Mal“. Natürlich kann nach 60 Dienstjahren nicht alles das erste Mal sein – außer ein Stück des beliebten Kinderbuchautors Otfried Preußler („Räuber Hotzenplotz“). Kempchen hebt das Motto auf eine gesellschaftliche Ebene: „Wir wollen neue Blicke lenken auf scheinbar Altbekanntes und im großen Kulturwandel, den wir erleben, auf neue Weise zum Nachdenken anregen.“ Mit Erste-Mal-Motiven wirbt das Theater auf Plakaten, im Internet, in seinem Journal (wie im aktuellen mit der Mondlandung vor 50 Jahren – aus der Rakete schaut eine Puppe).

Überlegungen gibt es, das nächste Hofspektakel – in diesem Jahr komplett ausgebucht und vieldiskutiert – auch im Herbst noch fortzuführen, um den vielen Kartenwünschen gerecht zu werden. Auch das wäre dann das erste Mal.