Magdeburg l Die Schüler des Wernigeröder Landesgymnasiums für Musik können sich glücklich schätzen. Sie haben in Jens Klimek nicht nur einen engagierten Musiklehrer, sondern auch einen Komponisten, der ihnen Lieder für das Chorrepertoire und passgenaue Arrangements für das schuleigene Orchester – inklusive James-Bond-Filmmusik! – schrei­ben kann.

Für Jens Klimek, der eigentlich nie Lehrer, sondern natürlich Komponist werden wollte, ist der „Brotberuf“ zu einem Traumjob geworden. Das Gymnasium hatte er dank einer Musiklehrerin, die sein Potenzial früh erkannte, als Schüler selbst besucht. Für ihn war es daher so etwas wie eine Rückkehr nach Hause. Ehemalige Lehrer sind jetzt seine Kollegen und längst zu Freunden geworden. Und es bleibt ausreichend Raum für seine künstlerische Betätigung. 

Eine von seiner Mutter nicht weggeräumte Schallplatte mit Mendelssohn-Sinfonien bezeichnet der 1984 in Magdeburg geborene Komponist heute schmunzelnd als „Einstiegs­droge“. Klimek gehörte zu den letzten Absolventen des 2010 geschlossenen Lehramtsstudiengangs an der Otto-von-Guericke-Universität. Zeitgleich nahm er Kompositionsunterricht bei Bernhard Schneyer in Magdeburg und Prof. Thomas Buchholz in Halle. 

Während des Studiums leitete er sogar einen Häftlings­chor – eine Erfahrung, die er sehr zu schätzen weiß, denn sie vermittelte ihm vor allem sozialpädagogische Fähigkeiten und die Freude an Opernchören, Spirituals und DDR-Popliteratur in „einem sauberen, dreistimmigen Gesang“ der Insassen.  Kompositorisch geprägt haben Jens Klimek die Begegnungen mit dem Wernigeröder Orchesterchef Christian Fitzner, die Orchesterwerkstatt für junge Komponisten in Halberstadt sowie Bernhard Schneyer vom Konservatorium, zu dessen Kompositionsklasse er bis heute Kontakt hält. 

Zahlreiche Aufträge und Preise zeugen vom Erfolg des jungen Komponisten, darunter beim 7. Deutschen Chorwettbewerb und beim 1. Internationalen Männerchor-Kompositionswettbewerb. Er schrieb für die Hallenser Madrigalisten sowie ein Auftragswerk für den „Cornell University Glee Club“ in Ithaka (New York), das eine Tournee durch Mittelamerika nach sich zog. Ein Zufallsfund im Internet hatte den Chordirektor der Privatuniversität auf die Spuren Klimeks geführt. „Es ging ganz schnell, es gab Geld und den Auftrag, das Stück innerhalb von sechs Wochen zu liefern“, so der 32-Jährige. Im September letzten Jahres durfte er der Uraufführung beiwohnen. Seitdem singen diverse amerikanische Chöre seine Werke. 

Klimek versucht stets, die Werke seinen Auftraggebern auf den Leib zu schreiben. So auch bei seinem nächsten Projekt, der Uraufführung des auf drei Gedichten Rilkes beruhenden „Marientryptichon“ für das diesjährige Magdeburger Chorfest. Die ausführenden Chöre kennt Klimek, im Telemann-Chor hat er sogar mitgesungen. 

Ansonsten höre sich Klimek in bestehende Aufnahmen der Chöre hinein, um deren Potenzial, aber auch Vorlieben zu erfahren. Er versuche, alle Geschmäcker zu bedienen, was ihm, vor allem in Besprechungen, nicht immer Lob einbringt. Jens Klimek gibt sich gelassen: „Es muss nicht gefallen, es ist aber auch nicht schlimm, wenn es gefällt.“ 

„Marientriptychon“ – Uraufführung beim Magdeburger Chorfest am 23. Oktober, 17 Uhr, im Opernhaus.