Magdeburg l Als Peter Hacks die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermanns im November 1976 lobte, war das ein Scheidepunkt im Leben des Schriftstellers. Er begab sich ins Abseits. Hacks hatte nicht wie viele andere DDR-Intellektuelle gegen die Ausbürgerung protestiert. Im Gegenteil. In einem Essay, veröffentlicht in der „Weltbühne“, ließ er sich über Biermann aus: „Die Reime waren schon damals schlecht, die Verse holprig, die Gedanken kraus; die Worte waren schon damals nicht wichtig genug, um nicht des Beistands der Musik zu bedürfen, und die Melodien nicht stark genug, um ohne Worte standzuhalten, aber Biermanns Lieder waren bildhaft und wunderlich wie die, welche die Schäfer auf der Heide und die die Dienstmädchen in den großen Städten singen.“

Für Autor Ronald Weber ist diese harte Positionierung – Hacks schoss auch gegen Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll – ein gewichtiger Grund dafür, dass sich Intellektuelle von ihm abwandten, dass die Texte jenes Mannes, die zu den meistgespielten gehörten, in den Theatern nicht mehr gern gesehen waren. Bühnen in Westdeutschland wie die Kammerspiele München setzten seine Stücke ab. Seine Bücher verkaufen sich schlecht.

Weber erzählt im Gespräch mit der Volksstimme, dass es nur schwer zu sagen sei, was letztlich ausschlaggebend für das Verschwinden des Dichters aus den Theater gewesen sei. Er nennt natürlich Biermann als Schlüsselszene, aber auch den kulturellen Wandel in jener Zeit – verbunden mit mangelndem Interesse an den neuesten Stücken von Hacks. Dessen Klassikkonzept, so Weber, wurde „immer stärker als unpolitisch bzw. nicht mehr zeitgemäß wahrgenommen“.

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„Hacks und die Ausbürgerung“ ist nur ein Kapitel im 600-Seiten-Buch über das Leben und Werk des höchst widersprüchlichen Autors. Weber zeichnet dessen Leben nach – als Autor (bekanntestes Stück ist „Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn Goethe“), als privater und politischer Mensch. Seine Widersprüchlichkeit brachte ihm etliche Freunde ein, aber auch etliche Widersacher. Hacks war Kommunist mit fester politischer Haltung. Es zog ihn vom Westen in den Osten, weil er nicht in „Nazistan“ leben wollte. Er verteidigte den Mauerbau. Weber zitiert Hacks: „Man kann nicht für die DDR sein und gegen die Mauer.“

Unbequem und durchsetzungsstark

Weber beschäftigt sich seit etlichen Jahren mit Hacks und dessen Werk, hat 2014 seine Dissertation über Hacks und Heiner Müller geschrieben. „Nach der Arbeit war so viel Material übrig, dass ich die Idee zu diesem Projekt hatte“, sagt der Berliner. Vier Jahre hat er an dem jetzt im Eulenspiegel Verlag veröffentlichten „Leben und Werk“ gearbeitet, dafür auch etliche Freunde und Bekannte von Hacks gesprochen.

Hat Weber bei so langer Beschäftigung noch etwas überrascht? Die Durchsetzungsstärke sei beeindruckend, sagt Weber und nennt als Beispiel das von Benno Besson inszenierte Stück „Moritz Tassow“, das 1966 abgesetzt wurde. Hacks klagte.

Unbequem war er auch für Regisseure. „Idioten beim Training“, nannte er sie einmal als Abrechnung auf das neumodische Regietheater.

Hacks darf man mit Faszinosum umschreiben: Kein Angepasster war er, aber ein Überzeugter, gleichzeitig auch großbürgerlich im sommerlichen Anwesen „Fenne“ südlich von Berlin, wo er mit seiner Frau Anna Elisabeth Wiede eher residierte als wohnte. 900 .000 DDR-Mark soll der Ausbau gekostet haben. Der Dramatiker gehörte damit zu einer kleinen Gruppe extravaganter Künstler. Man redete ihm nach, „Salonkommunist“ zu sein. Er sei kein Linker gewesen, dem Gleichheit erstrebenswert schien, schreibt Ronald Weber.

Noch vieles gibt es zum Leben des widersprüchlichen DDR-Dramatikers zu sagen. Weber erzählt darüber am Donnerstag in der Stadtbibliothek Magdeburg.

Lesung und Gespräch am 21. Februar, Stadtbibliothek Magdeburg, Breiter Weg 109, Beginn 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.