Halle (dpa) l Alles sieht filigran und futuristisch aus, Strukturen auf transparenten Gewebeteilen. Die Muster sind Algen, als eingedickte Biomasse und mit Hilfe eines 3D-Druckers in Form gebracht. Das Ergebnis ist verblüffend: Bewegliche Figuren auf Stoffen – eine Form erinnert an einen Schmetterling, andere sind streng geometrisch. Noch sind es nur Muster, aber sie zeigen die Möglichkeiten der Technologie auf. 

"Algen auf stofflichen Trägern dehnen sich bei Feuchtigkeit aus und ziehen sich bei Trockenheit zusammen", erläutert Textildesignerin Dorothea Lang das zugrundeliegende Prinzip. "Damit kommt die Bewegung als vierte Komponente hinzu. Das Ganze wäre damit ein 4D-Druck." Die 28-Jährige hat gerade an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle ihren Master gemacht. 

Agar für den 3-D-Drucker

Das Projekt "Dynamic Algae" war ein Semesterthema. "Die Überlegung dahinter war, mit Hilfe von Algen ein biobasiertes Druckmaterial herzustellen", sagt Lang. Dabei nutzte sie Agar, dass als Geliermittel bekannt ist und aus Rotalgen gewonnen wird. "Daraus konnte ich eine gel-artige Masse erzeugen, die in einem 3D-Drucker als druckbares Material funktionierte." Diese algenbasierte Biomasse reagiert auf Feuchtigkeit. "Kommt die Masse mit Wasser in Berührung, dehnt es sich aus, bei Trockenheit zieht es sich entsprechend wieder zusammen." Durch das Wechseln der Zustände komme Bewegung in das Material, erklärt die Künstlerin.

Ihre Prototypen, Algenmassestrukturen auf Stoffen, wurden auf der "3D Pioneers Challenge" in Erfurt als beste studentische Arbeit und in der Kategorie Material ausgezeichnet. "Algen haben ein großes Potenzial. Es ist eine nachwachsende Ressource, welche keine Landfläche benötigt und deren vielfältige Eigenschaften noch weitestgehend brach liegen", sagt Projektleiterin und Professorin an der Kunsthochschule, Mareike Gast. "Die Vorgabe für die Studenten war, das unglaubliche, gestalterische Spektrum der Algen in ihren Arbeiten zu nutzen. In dieses Szenarium reiht sich die Arbeit von Dorothea Lang ein."

"Mein Ziel ist es, jetzt nach dem Studium, in diese Richtung weiter zu forschen", sagt Lang. Sie stammt aus Hof (Bayern), könnte sich aber vorstellen, überall zu arbeiten. "Eine praktische Anwendung für dieses algenbasierte Material wäre Funktionswäsche. Aber dafür müsste noch viel Forschung geleistet werden."