Darum geht's: Die 23-jährige Boutiqueverkäuferin Kim Peelitz (Lucie Hollmann) wird auf dem Weg zur Arbeit gekidnappt. Ihre Mutter Anja (Christina Große), eine bescheidene Frau, soll 100 .000 Euro zahlen, damit Kim freikommt. Verzweifelt wendet sie sich an die Magdeburger Polizei. Schnell stellen die beiden Magdeburger Ermittler Doreen Brasch (Claudia Michelsen) und Dirk Köhler (Matthias Matschke) erste Ungereimtheiten fest. Warum wurde ausgerechnet Kim entführt? Die Mutter ist Altenpflegerin, der leibliche Vater vor Jahren gestorben. Viel Geld dürfte da eigentlich nicht zu holen sein. Doch dann erfahren die Kommissare von einem Erbe und dass davon eine ganze Menge Bekannte und Freunde wussten.

So sind die Kommissare

Brasch bleibt sich absolut treu. Die coole, raubeinige, aufbrausend motorradfahrende Kommissarin genehmigt sich schon mal einen doppelten Korn und ermittelt am liebsten alleine. So bleibt sie auch in dieser Krimi-Folge eine Einzelgängerin. Die beiden Ermittler teilen sich nicht mal ein gemeinsames Büro.

Kollege Dirk Köhler zeigt sich auch in seinem zweiten Magdeburger Fall als ruhiger, verständnisvoller Ermittler. Dieser Mann hat Empathie. Und doch bleibt der Streit mit Kollegin Brasch nicht aus: „Die Menschen sind von ihrer Art verstört“, empört er sich lautstark und fügt sogleich an: „Sogar ich bin wegen Ihnen verstört.“ Und doch gibt es in aller Unterschiedlichkeit etwas Gemeinsames: Beide sind ob der Tragik der Geschichte auch sprachlose Kommissare.

Bilder

Darin ist der Film besonders stark

Regisseur Jochen Alexander Freydank, Oscargewinner von 2009 mit seinem Kurzfilm „Spielzeugland“ und krimi-erprobt, findet eine gute Balance zwischen hektischer Ermittlungsabeit und immer wieder angenehm stillen Verhören. Diese Dialoge sind phasenweise kammerspielartig und nur möglich, weil diese beiden Kommissare nicht im sonst oft strapazierten Doppelpack auftreten.

Witzige Sätze von Brasch und Köhler

Hauptkommissarin Doreen Brasch parkt ihr Motorrad vor dem Haus des verdächtigten Stiefvaters der entführten Kim. Das Fenster ist offen. Er vergnügt sich mit einer Frau. Brasch trocken: „Der macht mir nicht den Eindruck, als würde er jetzt zu einer Geldübergabe gehen.“

Hauptkommissar Köhler befragt die Freundin der entführten Kim. In der kleinen Küche kippt er den Müllkorb auf dem Küchentresen aus. Er findet eine Rechnung, hält sie der jungen Frau vor die Nase und sagt ohne eine Miene zu verziehen: „Die gehört eigentlich in den Papiermüll.“

Wie ist die Rollenbesetzung?

Dieser Polizeiruf steht und fällt mit drei Rollen: Es sind die der beiden starken Kommissare und die Mutter Anja Peelitz. Die 46-jährige Christina Große, ein aus Fernsehfilmen bekanntes TV-Gesicht, spielt mit großer Einfühlsamkeit die verängstigte, besorgte, persönlichkeitsgestörte Mutter. Diese Anja sehnt sich eigentlich nur nach Normalität und lebt krankhaft in einer Welt aus Lügen.

Was ist nicht so gelungen?

Eigentlich denkt man mit der Toten gleich zu Beginn des Filmes, hier ist alles klar. Das ist zum Glück ein Irrtum. Übrigens auch, wenn man 20 Minuten vor dem Schluss vermutet, jetzt müsste die Geschichte doch zu Ende erzählt sein. Ist sie aber nicht. Der Film strotzt vor Unverhofftem, das bringt zwar Spannung, ist aber doch zu viel des Guten für die Dramaturgie.

Fazit – angucken oder lieber nicht?

Einschalten lohnt sich. Vor allem, weil auch der zweite Fall des Ermittler-Duos Brasch/Matschke sich mitten im Leben ganz normaler Leute abspielt. Hier ist nichts abgehoben. Das tut gut.