Bis zum 6. Januar

Die Sonderausstellung „Meisterwerke II - Schwarzkunst. Die Radierungen von Anthonie Waterloo“ ist bis zum 6. Januar 2020 zu sehen.

Anschrift: Lyonel-Feininger-Galerie – Museum für grafische Künste, Schlossberg 11, Quedlinburg.

Öffnungszeiten: außer dienstags 10 bis 17 Uhr. Eintritt: 6 Euro, erm. 4 Euro, bis 18 Jahre frei.

Nächste öffentliche Führungen: 10. November, 11.30 Uhr, 15. Dezember, 11 Uhr.

Quedlinburg l Bewaldete Hänge, ein schief gewachsener Baum, ein umzäunter Wald, Felsvorsprünge. Oft dominiert das dichte Blattwerk der Kronen das Kunstwerk. Der Betrachter meint, ein einstiges Abbild des nahe gelegenen Harzes zu entdecken. Doch was Waterloo an Darstellungen überlieferte, soll hauptsächlich seiner Utrechter Heimat zuzuschreiben sein. Von wegen nur plattes Land, Kanäle und sich drehende Windmühlen. All das findet der Betrachter auch, aber da muss er wie bei vielen anderen Sujets der Waterloo‘schen Bildwelten schon sehr genau hinsehen.

Menschen haben Nebenrolle

Am besten mit einer Lupe. Dann kann man die Wanderer, Jäger, Schäfer und Hirten deutlicher erkennen, die wie menschliches Beiwerk unterm Blätterdach sitzen, wandern, auf Tiere aufpassen. Schnell wird bei diesen Radierungen klar: Menschen spielen bei Waterloo nur eine Nebenrolle.

700 Künstler in den Gilden

Waterloo hatte sich auf Landschaften spezialisiert, um sich in der Flut an Künstlern – 700 sollen in den Gilden des Landes gearbeitet haben – auf dem Kunstmarkt auf sich aufmerksam machen zu können. Der Utrechter war bekannt für seine Panoramen, Hügel-, Felsformationen – und jede Menge Laubwald. In all der überbordenden Natur erkennt der Betrachter aber auch kleine Bachläufe, einzelne Bauernhäuser, Stege und Brücken. Dann umschließen die dichten Blätter wieder das beschauliche Geschehen.

Friedliches Leben

Idylle, Ruhe, friedliches Leben – so sieht Waterloo sein 17. Jahrhundert. Nimmt man sich Zeit beim Ausstellungsrundgang, stößt man nicht nur auf die vielen kleinen Details, sondern kann sich auch dem feinen Handwerk dieses Künstlers widmen. Die Radierung „Die Waldspitze und das Dorf auf der Anhöhe“ gibt im Original viel Tiefe und Weite preis. Um die Kunstfertigkeit zu verdeutlichen, haben die Ausstellungsmacher zwei Faksimile-Vergrößerungen neben diese Arbeit gehängt. Erst das Bearbeiten der Platte mit der Metallnadel, dann die Ätzung, später die Konturenzeichnung mit dem Grabstichel und der Kalten Nadel. Erst werden Baumstämme dicker konturiert, dann Blattwerk und kleinere Äste höchst filigran gearbeitet.

136 Radierungen

136 Radierungen zeigt die Feininger-Galerie, erstmals das gesamte druckgrafische Werk von Anthonie Waterloo. Dass diese Arbeiten überhaupt ausgestellt werden können, ist einem ehemaligen Quedlinburger Stadtrat zu verdanken. Friedrich Besser (1840–1905) besteimmte aber nicht nur die Geschicke seiner Stadt mit, er war auch leidenschaftlicher Sammler. „Seine ganze Hingabe galt der Kunst“, steht im Katalog zur Schau. Und weiter: „Um diese Hingabe öffentlich fortwirken zu lassen, vererbte er, was einer privaten Passion zu verdanken war, seinem Heimatort und begründete so die Kupferstichsammlung der Welterbestadt Quedlinburg ...“ Die hatte vor zwei Jahren dieses wertvolle Konvolut von insgesamt etwa 5000 Arbeiten der Lyonel-Feininger-Galerie zur fachlichen Betreuung übergeben. Seitdem wird museal aufbereitet und in Ausstellungen präsentiert, was bis dato im Depot schlummerte.

Waterloo, so sagt Manuela Winter von der Feininger-Galerie, sei mit seinen Arbeiten sehr erfolgreich gewesen. Mehrfach seien Editionen seiner Radierungen neu gedruckt worden. Besser fehlten bis zu seinem Tod nur vier Arbeiten des niederländischen Meisters. Eine ist mittlerweile angekauft worden und im Bestand, drei fehlen (noch). In der Ausstellung sind sie durch Faksimiles ersetzt worden.